Regulierer einigen sich auf schärfere Banken-Regeln - SBVg gegen Swiss Finish

(Zusmmenfassung) - Nach jahrelangem zähem Ringen haben sich die globalen Bankenregulierer auf weltweite Kapitalvorschriften für Banken geeinigt. Damit schliesst der Basler Ausschuss das Reformpaket Basel III ab. Die Schweizerische Bankiervereinigung verlangt Augenmass bei dessen Umsetzung.
07.12.2017 19:30

Mit einer weiteren Verschärfung der Kapitalregeln für Banken wollen Aufseher und Notenbanker rund um den Globus das Finanzsystem sicherer machen. Nach monatelangem Streit einigten sich Europäer und Amerikaner auf einen Kompromiss zur Ausgestaltung der nach der jüngsten Finanzkrise eingeführten sogenannten Basel-III-Regeln.

Die neuen Vereinbarungen sorgten für mehr Sicherheit, "ohne die Kapitalanforderungen deutlich zu vergrössern", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Es sei nun entscheidend, dass die Vereinbarungen weltweit umgesetzt würden, betonte Draghi, der dem Gremium der Chefs von Notenbanken und Aufsichtsbehörden (GHOS) vorsitzt.

Der zuletzt besonders strittige Punkt, in wie weit Banken bei der Berechnung ihrer Risiken eigene Rechenmodelle anwenden dürfen, wurde über die Festlegung einer Grenze gelöst. So müssen Banken auch bei Anwendung eines internen Modells mindestens 72,5% des Kapitals auf die Seite legen, das sich durch die Berechnung mit einem Standard-Modell ergibt.

Ein weiteres Element des Kompromisses ist, dass der Basler Ausschuss den Banken für die Umsetzung der Reform mehr Zeit gewährt als ursprünglich geplant. Ursprünglich sollte es ab 2019 losgehen, jetzt sollen die neuen Regelungen schrittweise ab dem 1. Januar 2022 greifen. In ihrer vollen Schärfe umgesetzt werden die Regeln erst nach fünf Jahren Übergangsfrist ab 2027.

VERZICHT AUF SWISS FINISH GEFORDERT

In der Schweiz wird die Einigung von der Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) und vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (Sif) begrüsst. Das Sif schreibt in ihrer Stellungnahme, dass global konsistente Regeln im Interesse der international tätigen Schweizer Finanzakteure sind. Für den SBVg weist der Kompromiss "grundsätzlich in die richtige Richtung", wie der Branchenverband in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Bei der Umsetzung in der Schweiz fordert der SBVg jedoch Augenmass. So sollen die Schweizer Behörden auf eine zusätzliche Verschärfung - auf einen Swiss Finish - verzichten und auch die Reform nicht vor anderen umsetzen, heisst es in der Mitteilung.

Hauptstreitpunkt in den jüngsten Verhandlungen war, wie Banken ihre Kreditrisiken kalkulieren. Davon hängt ab, mit wie viel Eigenkapital Geschäfte abgesichert werden müssen. Viele Grossbanken berechnen dies mit internen Modellen. Dabei ergibt sich oft ein geringerer Kapitalbedarf als bei den Standardvorgaben, so dass ähnliche Finanzanlagen oft sehr unterschiedlich bewertet werden. Vor allem die USA pochten auf enge Grenzen für den Einsatz interner Modelle.

Bis zuletzt war darum gerungen worden, um wie viel Prozent der intern ermittelte Wert vom Standardansatz abweichen darf - im Fachjargon "Output-Floor" genannt. Die US-Vertreter plädierten dabei für eine Schwelle von 75%. Die Europäer drängten auf 70%, weil viele europäische Banken mit der höheren Schwelle in deutlichem Umfang zusätzliches Kapital aufbauen müssen.

13% ZUSÄTZLICHES KAPITAL

Mit einer Schwelle von 72,5% hat der Basler Ausschuss sich in der Mitte der Forderungen getroffen. Der Prozentsatz bedeutet, dass eine Bank für einen Kredit, für den der Standardansatz 1000 Euro Kapitalpuffer vorsieht, mindestens 725 Euro zurücklegen muss - auch wenn ihr eigenes Modell ein niedrigeres Ausfallrisiko und damit einen geringeren Kapitalpuffer errechnet hat.

Die Europäische Bankenaufsicht EBA rechnete vor, dass EU-Banken nach den neuen Regeln im Schnitt 12,9% zusätzliches Kapital zurücklegen müssen.

(AWP)