Regulierung - MiFID bedroht tägliche Morgen-Notizen der Banken und Broker

Banker und Broker lesen gerne die Morgen-Newsletter anderer Banker und Broker. Diesen lockeren Austausch von Informationen und Analysen wird die Regulation aber erschweren.
20.08.2017 10:25
Morgens klingelt es in der Inbox der Banker: Canary Wharf in London.
Morgens klingelt es in der Inbox der Banker: Canary Wharf in London.
Bild: Pixabay

Ähnliches Konzepte verwenden auch Bill Blain von Mint Partners, der seinen "Blain’s Morning Porridge" mit einem Songtext oder einem Zitat eröffnet, und Jim Reid von der Deutschen Bank AG, dessen "Early Morning Reid" zunächst Privates erzählt und sich dann Wirtschaft, Zinsen, Anleihen und Währungen zuwendet.

Dies sind einige Beispiele für Morgen-Notizen, die eine der Möglichkeiten für Investmentbanken und Broker sind, ihre Dienstleistungen bei potenziellen Kunden zu vermarkten. 

Das Problem ist, dass wegen der neuen MiFID-II-Regeln die Firmen bald keine Analysen mehr umsonst verteilen dürfen - und das könnte auch die morgendlichen Gedanken von Analysten und Strategen beinhalten. Die Autoren müssen möglicherweise für ihre Notizen Geld verlangen, die Verbreitung der E-Mails beschränken oder den Inhalt verwässern.

Gratis gibt's nicht mehr

"MiFID II erlaubt etwas, was als kleinere, nicht monetäre Vorteile bezeichnet wird, aber das beinhaltet nur einige sehr grundlegende Arten von Informationsanalysen", sagt Hannah Meakin, Partnerin bei der Kanzlei Norton Rose Fulbright in London. "Meiner Meinung nach würde man bei allem, was man als eine Empfehlung einer Anlagestrategie oder eine fundierte Meinung oder eine wesentliche Analyse bezeichnen kann, von der Kateogorie Investment-Analyse ausgehen."

Wenn die überarbeitete Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente der EU (MiFID II) im Januar in Kraft tritt, wird sie den Handel von Aktien und Anleihen über Derivate bis hin zu Rohstoffen beeinflussen. Ziel ist es, den Anlegerschutz und die Transparenz zu erhöhen.

Eine Frage des Preises

"Die Rechnungsstellung wegen MiFID ist ein echtes, wirkliches Problem", sagt Peters. "Ist es nicht der Sinn beim Lesen von Analysen, die unterschiedlichsten Ansichten über ein ausgewähltes Thema zu sammeln und, hoffentlich, ein paar Ansichten zu einigen nicht ausgewählten Themen zu bekommen?"

In Bezug darauf, wie viel Geld Banken verlangen können, setzt sich ein zweistufiges Preismodell durch, meint Neil Shah von Edison Investment Research. Dies könnte auf der einen Seite sämtliche Analyse-Dienste einer grossen Bank - einschliesslich Treffen mit Analysten und Konferenz-Einladungen - für einen hohen Geldbetrag beinhalten, aber auf der anderen Seite auch ausschliesslichen Zugang zum Analyse-Portal für nur 10.000 Dollar bis 20.000 Dollar pro Jahr umfassen, sagt Shah. 

Werden Nicht-Abonnenten die Morgen-Notizen umsonst zu sehen bekommen? "Nicht, wenn es eine Notiz mit irgendetwas ist, bei dem es sich lohnt, es zu sagen", meint Shah. "Für alles mit Substanz muss man zahlen. Substanziell ist alles, was einem einen Hinweis auf eine Anlagestrategie gibt."

Definitionen sind schwammig

Die Frage, ob die Unternehmen künftig Rechnung ausstellen müssen, ergibt sich aufgrund der verschwommenen Grenze zwischen Marketing und Analysen. In einer Liste mit Fragen und Antworten, welche von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) veröffentlicht wurde, heisst es, dass "kurze Marktaktualisierungen mit eingeschränktem Kommentar oder Meinung in der Lage sind, als Information betrachtet zu werden, die einen kleinen, nicht-monetären Nutzen hat."

Reid von der Deutschen Bank besteht auf der Feststellung, dass er optimistisch bleibt. "Ich würde argumentieren, dass das die besten Morgen-Notizen wertvoller macht", sagt er. "Ich fühle mich nicht bedroht." Eine Sprecherin des Frankfurter Finanzkonzerns wollte auf Nachfrage von Bloomberg keine Angaben zu den weiteren Plänen ihres Hauses machen.

(Bloomberg)