«Renten müssten gesenkt werden»

Im Video-Interview kritisiert Daniel Kalt die Rentenreform des Bundesrates. Die ältere Generation müsse ihren Beitrag zur Sanierung der Altersvorsorge ebenfalls leisten, so der UBS-Chefökonom.
04.11.2013 14:16
Von Ivo Ruch
Daniel Kalt: «Die Summe der Reformen trifft die Jungen.»
Bild: cash

Eine schrumpfende Arbeitsbevölkerung, die steigende Lebenserwartung und tiefe Kapitalmarktrenditen setzen das Schweizer Vorsorgesystem unter Druck. Zu diesem Schluss kommt die UBS in einer Studie zum Thema Altersvorsorge, die am Montag vorgestellt wurde.

Die aufgegleisten Reformvorschläge zur Altersvorsorge von Innenminister Alain Berset würden zwar helfen, die "finanzielle Schieflage" der Altersvorsorge auszubalancieren, sagt der UBS-Chefökonom Schweiz Daniel Kalt im Video-Interview. Doch langfristig seien auch mit diesen Reformen die Probleme nicht gelöst. Dazu bräuchte es beispielsweise eine "Art Schuldenbremse auch im Vorsorgesystem".

Eine grosse Schwäche der Berset-Reform sieht Kalt in ihrer Einseitigkeit. Das Beispiel der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer zeige, dass die Massnahmen vor allem zu Lasten der heute aktiven Generation und ihrer Kinder gehe. "Die Summe der Reformen trifft die Jungen", so Kalt. Ein weiterer brisanter Punkt der Reform, die Ende Jahr in die Vernehmlassung geht, ist die Senkung des Umwandlungssatzes.

Beide Generationen gleich belasten

Die sich bereits in Rente befindende Generation trage hingegen wenig zur Sanierung der Altersvorsorge bei. Um diese Bevölkerungsgruppe ebenfalls miteinzubeziehen, "müsste man die aktuellen Renten senken", so der Chefökonom. Nur so könnte man beide Generationen in etwa gleich belasten. Doch das werde nicht eintreffen, denn das Ziel der bundesrätlichen Reform sei eben gerade, das Rentenniveau beizubehalten.

Die UBS-Studie geht ausserdem auf die Zukunft der Schweizer Konjunktur ein, die positiv eingeschätzt wird. Im laufenden Jahr rechnen die UBS-Ökonomen mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 und im nächsten Jahr mit 2 Prozent. Verantwortlich dafür sei in erster Linie die boomende Binnenwirtschaft, während die Exporte stagnierten. Zudem prognostiziert das Research-Team der UBS einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von aktuell 3 auf 3,3 Prozent im kommenden Jahr.

 

Im Video-Interview warnt Daniel Kalt davor, Vorsorgegelder für den Erwerb von Wohneigentum einzusetzen.