Republikaner wenden sich von Trump ab

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump zieht nach Veröffentlichung einer Aufnahme mit frauenfeindlichen und vulgären Äußerungen erheblich geschwächt in das zweite TV-Duell mit seiner Rivalin Hillary Clinton.
09.10.2016 13:27
In der Schusslinie: Donald Trump.
In der Schusslinie: Donald Trump.
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Selbst aus der eigenen Partei hagelte es massive Kritik an dem Milliardär. Mehr als 60 prominente Vertreter der Republikaner verurteilten Trumps sexistische Sprüche scharf, darunter der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain. Über zwei Dutzend republikanische Spitzenpolitiker forderten Trump sogar auf, das Feld einen Monat vor der Wahl zu räumen. Dies wies der Immobilienmogul entschieden zurück: "Ich werde niemals aus dem Rennen aussteigen, werde niemals meine Anhänger im Stich lassen", gab er sich am Samstag via Twitter kämpferisch.

In dem Video von 2005 ist zu hören, wie Trump - damals ein Reality-TV-Star - sich in teils vulgärer Sprache über Frauen äussert. Er erzählt, dass er versucht habe, mit einer verheirateten Frau Sex zu haben, und dass er auch einfach so mal Frauen küsse. "Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich das tun." Man könne alles tun, auch zwischen die Beine grabschen.

Trump bestätigte die Echtheit der Äusserungen und entschuldigte sich auf seiner Facebook-Seite. "Jeder der mich kennt, weiss, dass diese Worte nicht widerspiegeln, wer ich bin." Die Veröffentlichung des elf Jahre alten Videos so kurz vor der Wahl sei ein Ablenkungsmanöver.

Ehefrau findet Äusserungen inakzeptabel

Seine dritte Ehefrau Melania, die er nur wenige Monate vor Entstehung der Aufnahme geheiratet hatte, bezeichnete die Worte ihres Mannes als "inakzeptabel und beleidigend für mich". Die Aussagen stünden aber nicht für den Mann, den sie kenne. "Ich hoffe, dass die Menschen seine Entschuldigung akzeptieren, so wie ich es getan habe, und sich auf die wichtigen Themen konzentrieren, die unser Land und die Welt angehen."

Doch selbst Trumps Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten, Mike Pence, kritisierte die Äusserungen des 70-Jährigen. Er könne diese nicht verteidigen. "Als Ehemann und Vater, haben mich diese Worte und die von Donald Trump beschriebenen Handlungen beleidigt", erklärte der Gouverneur von Indiana auf Twitter. Er deutete aber an, Trump weiter zu unterstützen, obwohl Rufe laut wurden, Pence solle das Ruder übernehmen. Gegeben hat es so etwas in dieser Phase des Wahlkampfs bei einer der grossen Parteien noch nicht.

Es war auch nicht klar, ob man Trump jetzt überhaupt noch zum Rückzug zwingen könnte. In einigen Bundesstaaten können Wähler bereits ihre Stimme vor dem eigentlichen Wahltag am 8. November abgeben, darunter in so umkämpften wie Virginia und North Carolina.

Niederlage scheint fast sicher

Nichtsdestotrotz forderten mehrere Parteigrössen wie Ex-Aussenminister Condoleezza Rice oder Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney Trump auf, das Handtuch zu werfen. McCain erklärte, Trumps Verhalten mache es unmöglich, ihn zu unterstützen.

Der republikanische Abgeordnete und entschiedene Clinton-Kritiker Jason Chaffetz sagte zu CNN, würde er Trump jetzt noch wählen, könne er seiner 15-jährigen Tochter nicht mehr in die Augen sehen. Sein Kollege Mike Coffman aus Colorado sagte zu CBS, Trumps Niederlage bei der Wahl scheine nunmehr "fast sicher". Der ranghöchste Republikaner im Kongress, Ryan, lud Trump von einer Wahlkampf-Veranstaltung am Samstag aus.

Trump hatte seit Beginn seiner Bewerbung zahlreiche Gegner auch in der eigenen Partei. Dazu trugen eine ganze Reihe von umstrittenen Kommentaren bei, etwa über Einwanderer, Muslime und Frauen. Dennoch konnte der politische Quereinsteiger genau mit dieser von vielen Anhängern oft als direkt und ehrlich interpretierten Art sowie dem Versprechen, sich nicht wie die politische Elite in Washington zu verhalten, bei zahlreichen Wählern punkten.

Schlammschlacht

Im Lager der Demokraten hielt man sich zunächst weitgehend zurück. Clinton twitterte, das Video sei erschreckend: "Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird." Der amtierende Vizepräsident Joe Biden bezeichnete Trumps Worte als erniedrigend. "So ein Verhalten ist ein Missbrauch der Macht. Das ist nicht unzüchtig. Das ist ein sexueller Angriff."

Trump erklärte, die Medien und "das Establishment" wollten unbedingt, dass er aus dem Rennen aussteige. Das aber werde er nicht tun. Die Veröffentlichung des Videos am Freitag sei nichts anderes als eine Ablenkung von den drängenden Fragen des Landes. Jobs gingen verloren und die USA seien nicht mehr so sicher wie früher. Zudem verwies er auf Seitensprünge von Ex-Präsident Bill Clinton. Dessen Frau Hillary werde in den nächsten Tagen mehr über ihre Vergangenheit reden müssen.

Damit deutete sich an, dass es bei der zweiten von insgesamt drei TV-Debatten der beiden Kandidaten am Sonntagabend zu einer Schlammschlacht kommen könnte. Das erste Duell vor knapp zwei Wochen hatte Clinton nach allgemeiner Auffassung für sich entschieden. Ihren knappen Vorsprung in den Umfragen konnte die Ex-Aussenministerin aber nicht entscheidend ausbauen.

(Reuters)