Riesen-Nachfrage: Erstmals Minus-Zins bei Euro-Anleihen

Die Geldschwemme der Notenbanken weltweit treibt die Nachfrage nach Unternehmensanleihen weiter an. Die Folge ist Negativ-Verzinsung, was einigen Anlegern durchaus gelegen kommt.
08.09.2016 09:22
Die EZB-Anleihenkäufe verfehlen ihre Wirkung nicht.
Die EZB-Anleihenkäufe verfehlen ihre Wirkung nicht.
Bild: cash

Das Volumen von Anleihen-Emissionen von grossen Unternehmen hat bereits jetzt die Marke von einer Billion überschritten - und damit so früh wie noch nie zuvor. Dies geht aus Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Donnerstag hervor.

2016 ist damit bereits das fünfte Jahr in Folge, in dem Grosskonzerne Anleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar platziert haben. Und sollte das Tempo bis Jahresende anhalten, sollte der Rekord von 1,32 Billionen Dollar aus dem Jahr 2015 fallen. Die Konditionen sind dabei so günstig wie noch nie in der Geschichte - die Aufschläge zu Staatsanleihen sind weiter gesunken.

Noch nie konnten sich Konzerne so billig Fremdkapital ins Haus holen. Zum Teil zahlen Investoren schon Zinsen dafür, wenn sie Unternehmen Geld leihen dürfen. So verdient der Konsumgüterkonzerns Henkel mit einer am Mittwoch platzierten Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro und einer Laufzeit von zwei Jahren sogar Geld, statt etwas dafür zu bezahlen.

Negativrendite kann erwünscht sein

Das Papier hatte einen Kupon von null Prozent, und Investoren waren bereit, bei der Ausgabe Kurse über dem Nennwert zu zahlen. Dadurch nehmen sie über zwei Jahre gesehen einen leichten Verlust hin. Die negative Rendite hat Henkel zufolge bei der Platzierung 0,05 Prozent betragen.

Auch der französische Pharmakonzern Sanofi bekam diese Woche Geld für die Aufnahme von Schulden am Kapitalmarkt. Die Franzosen konnten sogar eine Anleihe über eine Milliarde Euro und einer Laufzeit von drei Jahren mit einer negativen Rendite platzieren.

Den beiden Konzerne waren damit die ersten ausserhalb der Bankenbranche, die Euro-Anleihen mit einem Negativzins platzieren konnten. Die hohe Nachfrage ist eine Folge des milliardenschweren Aufkaufs von Anleihen durch Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB), die mangels Angebot von Staatsanleihen seit einiger Zeit auch Unternehmenspapiere aufkauft.

Für Investoren kann eine Anlage in Unternehmenspapieren mit negativer Verzinsung sinnvoll sein, da sie zum Teil schon Strafzinsen für Bankeinlagen zahlen müssen und die Minus-Zinsen bei Staatspapieren noch höher sind.

(AWP)