Rosengren führt Fed-Dissidenten an

Der Konsens, den unter den Geldpolitikern der Federal Reserve aufrechtzuerhalten sich Janet Yellen stark bemüht hat, zeigte diese Woche deutliche Bruchstellen.
25.09.2016 14:24
Am Mittwoch entschied sich die US-Notenbank, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Bild: Gebäude der US-Notenbank in Washington, D.C.
Am Mittwoch entschied sich die US-Notenbank, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Bild: Gebäude der US-Notenbank in Washington, D.C.
Bild: iNg

Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed, darunter bemerkenswerterweise der Präsident der Fed von Boston, Eric Rosengren, widersprachen, als die Mehrheit der FOMC-Mitglieder sich dafür entschied, die Zinsen unverändert beizubehalten, auch wenn es dieses Jahr grosse Fortschritte am Arbeitsmarkt, höhere Inflationserwartungen und relative Ruhe an den globalen Finanzmärkten gab.

"Wenn Rosengren in Richtung der Falken abweicht, ist das für mich etwas Neues", sagte der frühere Vice-Chairman der Fed, Alan Blinder, im Interview mit Bloomberg Television. "Es gibt eine ziemliche Spaltung" und drei Gegenstimmen bei der FOMC-Abstimmung "sind sehr, sehr unüblich", fügte er an.

Auf ihrer Pressekonferenz räumte die Fed-Vorsitzende Yellen ein: "Wir haben mächtig damit gekämpft, zu versuchen, die gegenseitigen Ansichten zu verstehen".

Es war erst das vierte Mal seit 1992, dass drei FOMC-Mitglieder einer Mehrheitsentscheidung widersprachen. Neben Rosengren waren es diesmal Loretta Mester, Präsidentin der Fed von Cleveland, die seit langem Skepsis im Hinblick auf zu lange niedrig gehaltene Zinsen zum Ausdruck gebracht hatte, sowie Esther George von der Fed in Kansas City. Sie hat dieses Jahr bereits viermal widersprochen und sich für eine Zinserhöhung eingesetzt.

Sehr ungewöhnlich für Rosengren, Zinsen anheben zu wollen

Rosengrens Dissens war am auffälligsten. Während der langen Erholungszeit nach der Krise hatte er sich beständig dafür ausgesprochen, dass die Fed die Zinsen niedrig hält, um die Arbeitslosigkeit zu verringern. Mit einer Arbeitslosenquote von nun 4,9 Prozent ist er umgeschwenkt und befürwortet höhere Zinsen, um zu vermeiden, dass ein Überschwang am Arbeitsmarkt eine viel höhere Inflation auslöst.

Der 59jährige Rosengren spielte während der Finanzkrise von 2008 eine wichtige Rolle, als er die Bemühungen der Fed leitete, einen Kollaps bei Geldmarkt-Investmentfonds zu verhindern. Er hat auch oftmals auf die Anzahl der Baukräne verwiesen, die er auf seinem Weg von und zur Arbeit im Zentrum von Boston sieht, und vor einer potenziellen Blase bei den Bewertungen für Gewerbeimmobilien gewarnt.

Die Unstimmigkeit zeige, dass die Stimmung im FOMC drehe, sagte Roberto Perli, Partner bei Cornerstone Macro LLC in Washington und früherer Fed-Ökonom. "Die Vorsitzende ist kein Imperator", erklärte er. "Ich glaube nicht, dass sie, selbst wenn sie es wollte, diese Leute zurückhalten kann."

(Bloomberg)