Rosshäuserntunnel der BLS ist eingeweiht

Nach sechsjähriger Bauzeit hat das Bahnunternehmen BLS am Samstag den Rosshäuserntunnel im Westen Berns eingeweiht. Mit diesem Tunnel verkürzt die BLS auf der Linie Bern-Neuenburg die Reisezeit und sorgt für mehr Fahrplanstabilität.
25.08.2018 13:55

Der Tunnel gehört zu einer doppelspurigen Neubaustrecke, welche die bisherige Strecke zwischen Rosshäusern und Mauss ersetzt. Diese ist eingleisig, kurvig und kann mit maximal Tempo 90 befahren werden. Die neu weitgehend begradigte Strecke durch den Tunnel ist 300 Meter kürzer als die alte, und die Züge befahren sie mit Tempo 160.

Der Zeitgewinn beträgt zwar nur 90 Sekunden. Wegen der neuen Doppelspur wird aber für die BLS der Betrieb einfacher: Die Verspätung eines Zugs wirkt sich wegen der grösseren Flexibilität bei Doppelspurstrecken weniger schnell auf das ganze Netz aus.

Die Pünktlichkeit wird somit grösser. Auch kann die BLS ab dem Fahrplanwechsel im Dezember auf zwei Berner S-Bahn-Linien zusätzliche Halte einlegen, wie das Unternehmen am Samstag bekanntgab. Dies in Rosshäusern, das künftig im Halbstundentakt bedient wird, und in Bern-Stöckacker.

Mit dem neuen Tunnel erspart sich die BLS ausserdem die Sanierung der Einspurstrecke mit dem heutigen, über 100-jährigen Rosshäuserntunnel. Dieser wird noch bis zum 3. September von den Zügen befahren. Danach werden die Bahnanlagen im Tunnel abgebaut, der Tunnel bleibt aber erhalten.

Unfall, Verzögerung und Mehrkosten

Rund 265 Millionen Franken haben sich BLS, der Bund sowie die Kantone Bern, Freiburg und Neuenburg den 3,7 Kilometer langen Doppelspurausbau zwischen Rosshäusern und Mauss kosten lassen. In diesem Betrag ist der Bau des Tunnels und die Erneuerung des Bahnhofs Rosshäusern inbegriffen.

Der Bau des Tunnels dauerte achtzehn Monate länger als geplant. Grund dafür waren unerwartete Probleme mit einer geologischen Störzone. Das Gestein in dieser Zone war sehr brüchig. Ein Arbeiter starb im September 2013, als ihm ein Stein auf den Kopf fiel.

Wegen dieses Unfalls und der Störzone stellte die BLS gut einen Monat nach dem Unfall die Tunnelbohrungen ein. Mit einer neuen Vortriebsmethode und dem Vortrieb von beiden Seiten statt nur von Osten her wurden die Bauarbeiten schliesslich im Januar 2013 fortgesetzt. Die Kosten stiegen von 200 auf 265 Millionen Franken.

Die BLS profitierte aber auch von der Geologie: Im nahen Mädersforst baute sie Kies von so guter Qualität ab, dass sie sämtlichen Kies für die Produktion des Tunnel-Betons vor Ort produzieren konnte. Dieses Abbaugebiet wird bis 2020 rekultiviert.

Fest - und ein weiteres Grossprojekt

Das Berner Bahnunternehmen feierte die Eröffnung mit einem öffentlichen Fest. Auf dem Programm standen Tunnelfahrten mit dem historischen "Blauen Pfeil", Ansprachen, musikalische Unterhaltung und Führungen zum Tunnel-Notausstieg bei Rosshäusern Dorf. Zudem wurde ein Zug auf den Namen "Mühleberg" getauft. Auf dem Gebiet dieser Gemeinde befindet sich der Tunnel.

Der Einweihungsakt bestand darin, dass BLS-Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli, der Gemeindepräsident von Mühleberg, René Maire, der Direktor des Bundesamts für Verkehr, Peter Füglistaler und Christian Aebi, Vorsteher des kantonalen Amts für Verkehr und Verkehrskoordination, einen roten Knopf drückten. Dadurch stellte ein Bahnsignal auf Grün.

Schon bald beginnt die BLS mit einem weiteren Grossprojekt: Der Sanierung des markanten Eisenbahnviadukts über die Saane zwischen Mauss und Gümmenen. Der denkmalgeschützte Viadukt aus dem Jahr 1901 wird gleichzeitig auf Doppelspur ausgebaut. Fernziel der BLS ist die Doppelspur auf der ganzen Linie zwischen Bern und Neuenburg.

(AWP)

 
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