Russischer Botschafter in Ankara bei Anschlag getötet

(Ausführliche Fassung)
19.12.2016 18:42

ANKARA (awp international) - Der russische Botschafter in der Türkei ist bei einem Anschlag in der Hauptstadt Ankara getötet worden. Andrej Karlow sei seinen Verletzungen erlegen, teilte das Aussenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. Ein Angreifer hatte am Montagabend bei der Eröffnung einer Ausstellung in einer Galerie auf den Diplomaten geschossen. Auf Videos vom Anschlag ist zu sehen, wie der Attentäter immer wieder "Allahu Akbar" - Gott ist gross - ruft, nachdem Karlow zusammengebrochen ist und leblos auf dem Boden liegt.

Der Attentäter erwähnt auf türkisch ausserdem Aleppo und Syrien. An diesem Dienstag wollen die Aussenminister der Türkei, Russlands und des Irans in Moskau über den Syrien-Konflikt beraten.

Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete unter Berufung auf Augenzeugen, ein bewaffneter Mann sei in die Galerie eingedrungen, wo eine Ausstellung zum Thema "Russland, wie es von den Türken gesehen wird" eröffnet worden sei. Der Attentäter habe auf den 62-jährigen Diplomaten geschossen, als dieser seine Ansprache beendet habe. Karlow wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er starb.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, der Angreifer sei "neutralisiert" worden. "Neutralisiert" bedeutet im Sprachgebrauch der türkischen Behörden, dass er getötet, verletzt oder gefangen genommen wurde.

Der türkische Staatssender TRT berichtete, Spezialkräfte der Polizei seien nach dem Anschlag in die Galerie gestürmt. Auf Videos ist zu sehen, dass der Angreifer - der eine Pistole in der rechten Hand hält - Anzug und Krawatte trug.

Der Zwischenfall könnte ein Rückschlag für die bilateralen Beziehungen sein. Ankara und Moskau hatten sich zuletzt wieder deutlich angenähert, nach einer schweren Krise 2015.

Damals hatte die Türkei einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen, der Kreml verhängte Sanktionen./cy/wo/shg/DP/jha

(AWP)