Russland beginnt trotz hoher Corona-Zahlen mit grösseren Lockerungen

Das stark vom Coronavirus betroffene Russland lässt an diesem Montag trotz steigender Infektionszahlen erstmals grössere Lockerungen zu. Nach mehr als zwei Monaten strenger Ausgangssperren dürfen etwa die Menschen in Moskau - Europas grösster Stadt - an einzelnen Tagen wieder zu Spaziergängen auf die Strasse. Erlaubt ist auch Sport zwischen 5.00 Uhr und 9.00 Uhr morgens. Allerdings gilt eine verschärfte Maskenpflicht. Zum ersten Mal muss der Mund- und Nasenschutz auch im Freien getragen werden - bisher nur in öffentlichen Räumen und Verkehrsmitteln.
01.06.2020 08:35

Es öffnen in Moskau auch wieder Einkaufszentren sowie Dienstleister wie chemische Reinigungen und Reparaturwerkstätten. Dadurch können in der Hauptstadt mehr als 300 000 Menschen zum ersten Mal seit Monaten wieder zur Arbeit. Geschlossen bleiben unter anderem Friseure, Gaststätten, Schulen und Kultureinrichtungen.

Auch in vielen anderen russischen Regionen sind Lockerungen geplant. Kremlchef Wladimir Putin hatte trotz immer neuer Höchststände bei den Corona-Infektionen und Toten davon gesprochen, dass sich die Lage stabilisiert habe im flächenmässig grössten Land der Erde. Russland nimmt ausserhalb von Nord- und Südamerika bei der Zahl der Infizierten den Spitzenplatz ein.

Die Zahl der registrierten Corona-Infizierten überstieg kurz vor den Lockerungen die Marke von 400 000. Die amtliche Statistik wies am Sonntag 9268 neue Fälle aus. Zum Vergleich: In Deutschland gab es rund 738 registrierte Neuinfektionen. Die Gesamtzahl der erfassten Fälle in Russland stieg damit auf 405 843, darunter nach offiziellen Angaben 4693 Todesfälle. Die Behörden hatten die Lockerungen auch damit begründet, dass etwa in Moskau die Zahl der Genesenen höher liege als die der Neuzugänge in den Krankenhäusern. Landesweit als genesen galten 171 883 Menschen.

Vor allem der Druck seitens der Wirtschaft ist gross in Russland, Produktion und Handel wieder zuzulassen. Das Riesenreich steckte schon vor der Pandemie in einer Wirtschaftskrise. Die Kritik an der Politik im Kampf gegen Corona nimmt seit Wochen zu - auch weil die Zahl der Infektionen mit zunehmender Schärfe der Einschränkungen gestiegen und nicht gesunken war. In sozialen Netzwerken beklagen Bürger millionenfach ein Durcheinander an Regelungen und Chaos bei der Verhängung von Strafen wegen Verstössen gegen Vorschriften./mau/DP/fba

(AWP)