Salzgitter-Chef greift Trump an - 'Missinterpretation von Fakten'

(Ausführliche Fassung) - Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann legt im Streit über Dumping-Vorwürfe und Strafzöllen für bestimmte Produkte des Konzerns nach. Nachdem er die Dumping-Vorwürfe der US-Regierung bisher zum Beispiel als "absurd" oder "willkürlich" bezeichnet hatte, wirft er dem US-Präsidenten Donald Trump jetzt die absichtliche Missinterpretation von Fakten vor. Herr Trump habe sich die Stahlindustrie als Schaubeispiel für seine Politik herausgesucht, sagte der Chef des zweitgrössten deutschen Stahlkonzerns der "Welt" (Donnerstag). "Aus seiner Sicht muss diese Branche gerettet werden, nachdem sie von aussen kaputt gemacht worden ist. Also werden Fakten womöglich bewusst missinterpretiert."
31.08.2017 12:25

Salzgitter betreibt gemeinsam mit der Dillinger Hütte zwei Röhrenwerke in den USA, die unter anderem Pipelinerohre für die Öl- und Gasindustrie herstellen. Das Material dafür kommt Fuhrmann zufolge zum guten Teil aus den Salzgitter-Werken in Deutschland - "und zwar zu marktüblichen Preisen". Dies gelte auch für die wenigen Tonnen, die das Unternehmen im übrigen US-Markt verkauft habe. "Die Lieferprotokolle belegen, dass wir nicht mal in die Nähe eines Dumping-Verdachts kommen können." Gegen die Strafzölle von 22,9 Prozent habe Salzgitter offiziell Einspruch eingelegt. Eine Reaktion gäbe es aber noch nicht. "Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, muss der Strafzoll aber wieder aufgehoben werden. Andernfalls werden wir weiter für unser Recht kämpfen", sagte Fuhrmann.

Werke als Reaktion auf die US-Politik dicht zu machen, schloss Fuhrmann aus. Investitionen würde er aber derzeit genauer prüfen als vor einigen Jahren. Allerdings gäbe es dazu derzeit keine aktuellen Planungen. Einen konkreten Schaden aus den Strafzöllen könne Salzgitter noch nicht feststellen. "Zumal der Grossrohrmarkt in den USA wegen des abgeebbten Frackingbooms am Boden liegt und wir dementsprechend ohnehin keine Aufträge aus der Öl- und Gasindustrie in Amerika haben." Das könne sich jedoch mittelfristig wieder ändern, sagte der Vorstandsvorsitzende. "Und dann hätten wir spürbare Nachteile."

Der Idee einer Fusion des Stahlgeschäfts von Thyssenkrupp mit Salzgitter zu einer Deutschen Stahl AG erteilte Fuhrmann erneut eine Absage. "Vorstand und Aufsichtsrat verfolgen ein Konzept, das die Weiterentwicklung des Konzerns in Eigenständigkeit vorsieht", sagte der Manager. Thyssenkrupp prüft derzeit Optionen für sein europäisches Stahlgeschäft und verhandelt dazu mit der indischen Tata Steel über eine Fusion. Insbesondere die Gewerkschaften laufen jedoch dagegen Sturm und fürchten Werksschliessungen und Arbeitsplatzabbau. Sie sowie Teile der Politik liebäugeln daher mit der Idee eines deutschen Champions.

Dies lehnt Fuhrmann ab. "Andere könnten gerne fusionieren und konsolidieren", sagte er. Salzgitter gehe es auch ohne Partner gut. Bislang habe es kein für Salzgitter vorteilhafteres Konzept gegeben als den Weg der Eigenständigkeit. Wenn es bessere Alternativen gäbe, würde er sich das gerne anhören. "Dass wir vornehmlich die Probleme von Wettbewerbern lösen, ist für mich aber keine solche Alternative", stellte er klar. Salzgitter sei gross genug, um alleine im Markt zu bestehen. Und das Unternehmen schaut sich seinerseits nach Übernahmen um, allerdings abseits des klassischen Stahlgeschäfts./zb/nas/tav/stb

(AWP)