Sanktionen - USA schüren mit Drohungen gegen Iran Sorgen am Ölmarkt

US-Sanktionen gegen Abnehmer von iranischem Öl stehen im Raum: US-Massnahmen gegen China, Indien und Japan möglich. Der Ölpreis steigt auf höchsten Stand in diesem Jahr, Investoren fürchten Angebotsausfälle.
22.04.2019 14:15
Mike Pompeo, Ex-CIA-Chef und Aussenminister der USA.
Mike Pompeo, Ex-CIA-Chef und Aussenminister der USA.
Bild: Bloomberg

US-Präsident Donald Trump will im Streit mit dem Iran die Daumenschrauben anziehen. Wie eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte, wollen die USA die Ölexporte der Islamischen Republik ab Mai komplett verhindern. In diesem Zusammenhang werde die US-Regierung mehreren Abnehmern iranischer Öl-Lieferungen auch mit Sanktionen drohen. Betroffen sein könnten davon unter anderem China, Indien und Japan. Investoren an den Finanzmärkten reagierten nervös auf die Nachrichten. Der Ölpreis stieg um rund drei Prozent auf den höchsten Stand in diesem Jahr, weil Produktionsengpässe befürchtet werden.

Der Insider sagte Reuters, US-Außenminister Mike Pompeo werde noch am Montag die US-Pläne bekanntmachen. Demnach solle es ab dem 2. Mai keine Ausnahmen mehr für Länder geben, die derzeit noch iranisches Öl importierten. Die "Washington Post" hatte zuerst über das Vorhaben berichtet. In den Genuss der Ausnahmen kommen neben China, Japan und Indien auch Südkorea, Taiwan, die Türkei, Italien und Griechenland. Die vergangenes Jahr gewährten Ausnahmen sollen jetzt im Mai enden.

Trump ist anders als viele westliche Verbündete der USA auf Konfrontationskurs mit dem Iran. Er will maximalen wirtschaftlichen Druck auf die Islamische Republik ausüben und deren Ölexporte als Haupteinnahmequelle auf null reduzieren. Letzteres werde den USA nicht gelingen, verlautete laut Nachrichtenagentur Tasnim aus dem iranischen Ölministerium. Der Iran habe ausreichend Erfahrung, um Angriffe auf die Ölindustrie des Landes zu neutralisieren. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, die Volksrepublik trete gegen US-Sanktionen gegen den Iran ein. Die chinesische Zusammenarbeit mit dem Iran verstoße gegen keine Gesetze.

Trump hatte das internationale Atomabkommen mit dem Iran von 2015 im vergangenen Jahr aufgekündigt und neue Sanktionen verhängt. Er will die Regierung in Teheran zu Neuverhandlungen über einen wesentlich strengeren Vertrag zwingen. Zudem will Trump den Iran zu einem Kurswechsel in der Außenpolitik und dem Ende der Unterstützung militanter Gruppen im Nahen Osten bewegen. Die EU will dagegen an dem Atomabkommen festhalten, das auch von Deutschland mit ausgehandelt wurde.

Wie reagiert die Opec?

An den Märkten verteuerte sich die führende Nordsee-Sorte Brent auf 74,31 Dollar je Barrel (159 Liter) und kostete damit so viel wie zuletzt am 1. November. US-Leichtöl der Sorte WTI legte auf 65,87 Dollar zu und somit auf den höchsten Stand seit dem 30. Oktober. Wegen Lieferausfällen in den Krisenländern Venezuela und Libyen ist die Lage am Ölmarkt ohnehin angespannt. Außerdem hat sich das Förderkartell Opec Produktionskürzungen vorgenommen, um den einst deutlich niedrigeren Ölpreis zu stabilisieren. Seit Januar ist der Brent-Preis aber um mehr als ein Drittel gestiegen, WTI sogar um über 40 Prozent.

Analysten zufolge wird Trump das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien - einen der engsten Verbündeten in der Region - drängen, Sorgen über Förderengpässe auszuräumen. Eine mit der Politik des Landes vertraute Person sagte Reuters, Saudi-Arabien könne Angebotsausfälle kompensieren. Allerdings müssten die konkreten Marktauswirkungen erst analysiert werden. Ein Sprecher des irakischen Ölministeriums betonte, Entscheidungen über Änderungen der Fördermengen müsse die Opec im Kollektiv treffen.