Schlechteste Kantonalbank-Aktie fällt weiter

Der Titel der Basler Kantonalbank stürzt am Dienstag auf den tiefsten Stand seit neun Jahren. Eine solch schlechte Performance toppt keine andere Kantonalbank. Was steckt dahinter?
23.04.2013 15:00
Von Pascal Meisser
Der Sturzflug des BKB-Partizipationsscheins findet kein Ende.

Der seit Monaten dauernde Sturzflug des Partizipationsscheins (PS) der Basler Kantonalbank (BKB) hat diese Woche zusätzlichen Schwung gewonnen. Seit Montag haben die Titel weitere 7 Prozent eingebüsst und notieren derzeit bei 83,45 Franken auf dem tiefsten Stand seit über neun Jahren.

Letztmals wurde der PS der Basler Kantonalbank am 4. Februar 2004 tiefer gehandelt - bei genau 83 Franken. Seit Jahresbeginn hat der Titel in einem positiven Gesamtmarkt über 15 Prozent an Wert eingebüsst. Das Allzeithoch von Ende 2010 liegt bei 145,50 Franken.

Zu den grossen Verlierern gehören nicht die Institutionellen, die den Partizipationsschein in den letzten Monaten zumindest teilweise aus ihren Depots eliminiert haben, sondern die zahlreichen Kleinanleger, die mitunter aus regionaler Verbundenheit den Titel der BKB halten. Im ersten Halbjahr 2012 war die Bank ihnen noch zu Hilfe gekommen, in dem sie mit Titelkäufen im Umfang von rund 66 Millionen Franken den Kurs gestützt hatten. Davon ist inzwischen nichts mehr zu spüren.

BCV und Walliser KB mit deutlich höherer Rendite

Die schlechte Performance der BKB-Titel unterbietet keine andere Kantonalbank-Aktie. In den letzten neun Jahren haben andere börsenkotierte Staatsbanken ihren Aktienkurs verdoppeln oder gar verdreifachen können. Selbst die Titel der geographisch benachbarten Basellandschaftlichen Kantonalbank bescherten ihren Teilhabern eine Rendite 26 Prozent. An der Spitze stehen die Aktien der Banque Cantonale Vaudoise, deren Kurs seit April 2004 263 Prozent in die Höhe kletterte. Aber auch die Walliser Kantonalbank (+168 Prozent) und die Banque Cantonale du Jura (+157 Prozent) notieren heute beachtlich höher.

Kursbelastend wirken bei der Basler Kantonalbank eine Reihe negativer Ereignisse, welche die Bank seit Monaten in Atem hält. Im letzten Herbst wurde die BKB von der Affäre um die mutmasslich betrügerische Vermögensverwalterin ASE erschüttert. Die Verluste der ASE-Kunden mit BKB-Konti wurde auf gut 100 Millionen Franken beziffert. Dazu kommen die schwelenden Unsicherheiten rund um die US-Steueraffäre. Die BKB gehört zu jenen elf Schweizer Banken, die im Visier der US-Justiz stehen. Diese verdächtigt die Basler Kantonalbank, sie habe aktive Hilfe zur Steuerhinterziehung bei US-Kunden geleistet.

Basler Kantonalbank weiterhin hoch bewertet

Vor einem Monat einigte sich die Bank wenigstens im Fall ASE auf eine Vergleichslösung mit den Opfern. Im gleichen Zug wurde das Geschäft mit Vermögensverwaltern und dem Obligationenhandel neu aufgestellt. Der CEO und der Bankrat wurde ausgewechselt. Trotz diesen Massnahmen konnte die Bank das Vertrauen der Anleger nicht zurückgewinnen. Der Partizipationsschein notiert weit unter seinem Buchwert.

Dennoch ist der PS nicht günstig bewertet. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2013 von 16 gehört die Basler Kantonalbank zu den am höchsten bewerteten Staatsbanken. Die Gefahr, dass der PS in den kommenden Wochen weiter fallen wird, ist entsprechend gross. Ein Glück für die Basler KB, dass es keine Put-Optionen auf den PS gibt - der Fall des Titels wäre wahrscheinlich noch deutlicher.

Neun-Jahres-Performance der kotierten Kantonalbanken
(April 2004 - April 2013)

Banque Cantonale Vaudoise +263%
Walliser Kantonalbank +168%
Banque Cantonale du Jura +157%
Berner Kantonalbank +100%
Graubündner Kantonalbank +87%
Luzerner Kantonalbank +79%
Zuger Kantonalbank +74%
St. Galler Kantonalbank +48%
Basellandschaftliche Kantonalbank +26%
Banque Cantonale de Genève +23%
Basler Kantonalbank -7%

Quelle: cash.ch