Schluckt China auch diese Firmen?

Der Agrochemie-Konzern Syngenta wird wohl chinesisch. Könnten weitere Schweizer Firmen folgen? Die Chinesen haben in der Tat ziemlich genaue Vorstellungen, wo sie zukaufen wollen.
03.02.2016 14:08
Von Pascal Züger und Marc Forster
China will Technologie selber herstellen können.
China will Technologie selber herstellen können.
Bild: Bloomberg

China ist interessiert an Technologie: Der Kauf von Unternehmen weltweit dient dazu, Know-how ins Land zu holen und die Technologie zu verbessern: "Auf diese Weise führt man ein Schwellenland zu einem Industrieland", sagt China-Experte Heinz Rüttimann von der Bank Julius Bär zu cash.

Im Visier haben chinesischen Investoren gerne Unternehmen, die technisch hochstehende Produkte im Angebot haben, aber wirtschaftlich in der Krise sind: Der Waadtländer Batteriehersteller Leclanché oder der Buntmetallverarbeiter Swissmetal aus Dornach SO, beide unter chinesische Kontrolle gekommen, sind dafür typische Beispiele.

Gezielt Wissen zukaufen

Auch der Kauf des zuletzt angeschlagenen schwedischen Autobauers Volvo durch den chinesischen Autokonzern Geely passe in dieses Bild, sagt Rüttimann: "Es ging dabei nicht um das Gewinnpotential von Volvo, sondern die Technologie, die jetzt auch verstärkt bei chinesischen Herstellern zu finden sind dürfte."

Die chinesischen Investoren handeln strategisch: Sie kaufen zu, was in der eigenen Wirtschaft noch fehlt. Hochspezialisierte Hersteller wie der Metallteile-Lieferant SFS aus dem st. gallischen Heerbrugg könnten ebenfalls interessant sein. Der grösste Teil der Schweizer Industrieunternehmen befinden sich aber in einem finanziell soliden Zustand, was Übernahmen potenziell erschwert.

Möglich ist aber, dass Grosskonzerne einzelne Sparten nach China verkaufen. Die Stromübertragungs-Einheit von ABB könnte eines Tages ebenso in chinesische Hände fallen wie Teile des Industriekonglomerats OC Oerlikon, das Antriebs- und Getriebesysteme, Vakuumtechnologien, Oberflächenbearbeitung und Textilmaschinen im Sortiment führt. Oerlikon hat bereits im Jahr 2012 Teile der Textilmaschinenbranche nach China an die Industriegruppe Jinshang veräussert.

Bodenschätze und Rohstoffe

Basischemikalien werden in China derzeit genug hergestellt, aber Spezialitätenchemie bleibt interessant: Clariant, ohnehin ein Übernahmekandidat, könnte ins Visier von China-Investoren geraten oder ist bereits auf deren Radar – wobei es derzeit noch als wahrscheinlicher gilt, dass ein westlicher Chemiekonzern dort zugreift.

Ein weiteres Interesse des fast 1,4 Milliarden Menschen zählenden Landes ist, den Nachschub an Rohstoffen zu sichern. Dass China enge Beziehungen zum Erdöl-Förderer Venezuela pflegt, und auch gegen den Westen um die Gunst des Iran buhlt, zeugt von diesem Streben.

Die an Bodenschätzen arme Schweiz gilt da nicht als Hauptziel, aber die hier domizilierten Handelsunternehmen können bei der Versorgung des Riesenlandes eine Rolle spielen. ChemChina, die sich nun Syngenta unter den Nagel reisst, stieg bereits vor zwei Wochen mit 12 Prozent beim Genfer Energiehändler Mercuria ein.