Schon im Juni - Mehr und mehr Bond-Händler setzen auf Fed-Zinsschritt

Am Anleihemarkt sickert die Botschaft der Federal Reserve langsam durch: Ein Zinsschritt im Juni gilt bei den Bond-Händlern langsam als Gewissheit.
13.05.2017 08:24
Fed-Chefin Janet Yellen.
Fed-Chefin Janet Yellen.

Die Händler sind weitgehend der Meinung, dass die Notenbank ihre Leitzinsen bei der Sitzung im Juni anheben wird: Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt in dem Monat wird mittlerweile mit fast 80 Prozent eingepreist, wenn die effektive Fed-Funds-Rate und der Overnight-Index-Swapsatz am Terminmarkt betrachtet werden. Ausserdem nimmt die Zuversicht zu, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik im September erneut strafft: die Chance hierfür nähert sich am Dienstag 40 Prozent - das ist etwa doppelt so hoch wie letzte Woche.

Die Finanzmärkte warten nicht ab, ob dies nun das Jahr sein wird, in dem die US-Zentralbank an ihrer Prognose festhält, derzufolge 2017 noch zwei weitere Zinsanhebungen ausstehen. Die Rendite zweijähriger Treasuries hatte am Dienstag 1,35 Prozent erreicht, das höchste Niveau seit März, während der Bloomberg Dollar Spot Index auf dem höchsten Stand seit fast einem Monat notierte. Beide waren am Donnertag im frühen Handel wenig verändert.

«Fed ist konsistent»

"Die Fed ist dieses Jahr sehr konsistent: Sie sagt, dass aus ihrer Sicht die Arbeitslosenquote und der Kurs, den sie einschlägt, unterhalb dessen liegen, was ihrer Einschätzung nach Vollbeschäftigung darstellt", erklärte John Herrmann, Director für Zinsstrategie bei MUFG Securities Americas. "Das steht im Einklang mit einer weiteren Verringerung des Akkommodierungsgrads bei der Sitzung im Juni, und vielleicht auch wie von uns erwartet bei der Sitzung im September."

Die US-Währungshüter erklärten vergangene Woche, dass die jüngste Abkühlung des Wirtschaftswachstums ihrer Einschätzung nach vorübergehend ist. Das bedeutet, dass sie womöglich schon im kommenden Monat ihre Zinsen weiter erhöhen könnten. Diese Vermutung erhärtete sich zwei Tage später, als die Arbeitslosenquote überraschend auf 4,4 Prozent fiel und den niedrigsten Stand seit Mai 2007 markierte. Die marktbasierten Inflationserwartungen bewegen sich derweil in der Nähe des Fed-Zielwerts von zwei Prozent.

Eine September-Straffung bei weitem noch keine ausgemachte Sache, und selbst eine Zinserhöhung im Juni könnte durch schwache Konjunkturdaten oder einen Marktschock ausgehebelt werden. Die Renditen fielen beispielsweise am Dienstagnachmittag von ihrem Tageshoch in New York zurück, nachdem Sky News unter Berufung auf einen nordkoreanischen Diplomaten berichtet hatte, das Land werde mit einem sechsten Atomtest fortfahren.

Doch nach Einschätzung von Herrmann dürften die festverzinslichen Märkte langsam aus ihrer Selbstzufriedenheit gerissen werden. Und das bedeutet, dass die Renditen - vor allem am kurzen Ende - auf ihrem Weg nach oben sind. "Der Anleihemarkt ging immer von weniger Fed-Zinserhöhungen aus", so Herrmann. "Dieses Jahr, das sage ich Ihnen, ist das meiner Meinung nach ein grosser Fehler."

(Bloomberg)