Schottland will für EU-Anbindung keine Kosten scheuen

Schottland möchte trotz Brexit weiter eng mit der Europäischen Union zusammenarbeiten und scheut dabei keine Kosten.
23.10.2016 15:31
St. Andrew's House, Sitz der schottischen Regionalregierung in Edinburgh.
St. Andrew's House, Sitz der schottischen Regionalregierung in Edinburgh.
Bild: cash

Der nördliche Teil des Vereinigten Königreichs wolle in jedem Fall Mitglied des einheitlichen europäischen Binnenmarkts bleiben, auch wenn die Regierung in London sich für ein Ausscheiden entscheide, sagte die schottische Ministerin für Aussenbeziehungen Fiona Hyslop der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Besuch in Brüssel. Schottland müsste nach internen Berechnungen dann zwar mehr in den EU-Haushalt einbezahlen als es herausbekomme, erklärte Hyslop. "Wir verstehen das. Aber wir wissen auch, wie wichtig es ist, Zugang zum Binnenmarkt zu haben."

Die britische Premierministerin Theresa May hat zuletzt mit Forderungen nach einer deutlichen Verringerung von Einwanderung für Schlagzeilen gesorgt. Viele Experten werten dies als Hinweis auf einen "harten Brexit". Denn sollte Grossbritannien den freien Zuzug von EU-Arbeitnehmern verweigern, kann es aus Sicht der übrigen EU-Staaten keinen vollen Zugang mehr zum Binnenmarkt mit seinen rund 500 Millionen Konsumenten bekommen.

EU will Schotten helfen

Die schottische Regionalregierung versuche sich bei den Verhandlungen über das künftige Verhältnis von EU und Vereinigtem Königreich einzubringen, betonte Hyslop. EU-Politiker hätten bei ihren Gesprächen in Brüssel deutlich gemacht, dass sie den Schotten helfen wollten. "Es gibt sehr viele verschiedene Optionen, auf die man sich verständigen kann, wenn es einen politischen Willen gibt."

Die Schotten hatten beim Brexit-Referendum im Juni mehrheitlich für den Verbleib in der EU votiert. Dafür hat sich auch die schottische Regionalregierung ausgesprochen und kürzlich die Weichen für ein neues Unabhängigkeitsreferendum gestellt. Zugang zum EU-Binnenmarkt können jedoch auch Nicht-EU-Mitglieder bekommen. Ein Beispiel dafür ist Norwegen, das im Gegenzug jedoch eine beträchtliche Summe in den EU-Haushalt einbezahlt.

(Reuters)