Schweiz muss sich laut BAFU-Direktor dem Klimawandel anpassen

Die Schweiz muss nach den Worten von BAFU-Direktor Marc Chardonnens nicht nur ihre Treibhausgasemissionen senken. Sie müsse sich auch dem Klimawandel anpassen, um die Risiken zu reduzieren. Denn die Folgen der Klimaerwärmung sind bereits spürbar: Die Gletscher schmelzen, Trocken- und Hitzeperioden werden häufiger und die Stabilität des Permafrosts nimmt ab, wie gerade auch der Bergsturz im Bergell von vergangener Woche vor Augen geführt hat.
28.08.2017 10:00

Der Klimawandel müsse als Herausforderung für die ganze Gesellschaft begriffen werden, machte der Direktor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) an einer Medienkonferenz am Montag deutlich. Denn der Temperaturanstieg und die Veränderung des Niederschlagsregimes wirkten sich nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf Wirtschaft und Gesellschaft aus.

Der Bund koordiniere die Anpassungsmassnahmen und stelle die Grundlagen und das Wissen zur Verfügung, die für die Anpassung an den Klimawandel benötigt würden. "Da sich die Auswirkungen von Region zu Region unterscheiden, spielen die Kantone, die Regionen und die Gemeinden eine wichtige Rolle", sagte Chardonnens gemäss einer Mitteilung des BAFU weiter.

RISIKOANALYSE IN ACHT KANTONEN

Das BAFU habe deshalb eine Riskoanalyse mit Fallstudien in acht Kantonen durchgeführt, um die regionalen Auswirkungen der Klimaänderungen zu umreissen. Die Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorgestellt werden.

Unter der Federführung des BAFU habe der Bund zudem 2013 ein Pilotprogramm lanciert, das anhand konkreter Projekte aufzeige, wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpassen könne. Vier der 31 Projekte des Pilotprogramms wurden am Montag in Bern, Liestal BL und in Jussy GE den Medien vorgestellt.

Diese Arbeiten hätten eine Dynamik ausgelöst und die Behörden für die Notwendigkeit des Handels sensibilisiert, schreibt das BAFU weiter. Zahlreiche Kantone, Regionen und Gemeinden hätten eigene Strategien ausgearbeitet und Anpassungsmassnahmen entwickelt.

KLIMAWANDEL BETRIFFT ALLE

Die Anstrengungen müssten aber verstärkt werden. Die Folgen des Klimawandels müssten in allen Bereichen - Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft - berücksichtigt werden. Es sei tatsächlich besser, sich bereits heute vorzubereiten, statt nachträglich die Schäden zu beheben, die durch den Klimawandel verursacht würden.

Dies umso mehr, als der Anpassungsbedarf und die Kosten mit dem erwarteten Temperaturanstieg zunähmen. Dafür müssten sich alle engagieren - Kantone, Regionen, Städte, Gemeinden, Unternehmen und die Bevölkerung. Nur gemeinsam liessen sich die neuen Herausforderungen meistern.

SCHWEIZ BESONDERS STARK BETROFFEN

Die Schweiz ist nach Einschätzung des BAFU von der Klimaerwärmung besonders stark betroffen. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1864 ist die Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius angestiegen.

Die Erwärmung ist damit mehr als doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt, wo sie 0,9 Grad betrug. Mit einer weltweiten durchschnittlichen Erwärmung von höchstens zwei Grad, wie es das Klimaübereinkommen von Paris vorsieht, könnte in der Schweiz bis 2060 die Temperatur zusätzlich um ein bis drei Grad steigen.

Das wichtigste Instrument im weltweiten Kampf gegen die Erwärmung ist die massive Senkung des Ausstosses von Treibhausgasen. Im Rahmen des Pariser Klimaübereinkommens hat sich die Schweiz verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern.

mk

(AWP)