Schweizer Bankiers wollen Informationsaustausch forcieren

Genf (awp/sda) - Die Schweizerische Bankiervereinigung will mehr Abkommen für den automatischen Informationsaustausch in Steuersachen, um mit den dabei aktivsten Ländern Schritt zu halten. Nach dem Brexit-Entscheid vertieft sie den Austausch mit London und die Zusammenarbeit von Finanzplätzen.
01.12.2016 12:40

Die Schweiz verfügt über weniger als vierzig Abkommen für den automatischen Informationsaustausch. Andere Länder hätten fast sechzig, sagte Herbert Scheidt, der neue Präsident der Bankiervereinigung, am Mittwochabend in Genf. Es gebe diesbezüglich einige Erwartungen und die Schweiz müsse immer schneller vorankommen.

Dabei gelte es aber, die Umsetzung der Standards in anderen Staaten zu beobachten. Und die OECD dürfe die Regelverstösse an den US-amerikanischen Finanzzentren nicht zulassen. Die Datensicherheit müsse auch gewahrt sein.

Wenn diese Bedingungen erfüllt seien, gingen die Regeln in die richtige Richtung, sagte der Vontobel-Verwaltungsratspräsident weiter. In der Innenpolitik unterstrich er die Bedeutung der Unternehmenssteuerreform III.

GROSSBRITANNIEN ALS WICHTIGER PARTNER

Nach dem Brexit ist für Scheidt eine Neupositionierung gegenüber Grossbritannien unerlässlich. Das Vereinigte Königreich werde ein wichtiger Partner sein. Die EU wäre schlecht beraten, die beiden wichtigsten Finanzplätze Europas - London und die Schweiz - zu schwächen.

Andererseits könnten die Beziehungen zwischen Grossbritannien und der Schweiz sowie mit anderen Finanzplätzen wie Singapur nicht zum Nachteil der EU gestärkt werden. Entgegen anderslautenden Äusserungen wollten die Schweizer Banken weiterhin Marktzutritt in der EU, sagte Claude-Alain Margelisch, Direktor der Bankiervereinigung.

Ein Ausschluss der Schweiz vom gemeinsamen Markt hätte einen Arbeitsplatzverlust zur Folge. Die Bankiervereinigung setze unterdessen auf bilaterale Verträge, was mit gewissen EU-Ländern seit der Finanzmarktrichtlinie Mifid sogar verpflichtend sei.

Nach dem 2015 geschlossenen Vertrag mit Deutschland erwartet Margelisch den Abschluss mit Frankreich nicht vor den dortigen Präsidentschaftswahlen im Mai 2017. Das Referendum vom 4. Dezember in Italien könnte überdies den Fortschritt der Verhandlungen mit den südlichen Nachbarn beeinflussen.

mk

(AWP)