«Schweizer Banktitel sind nicht erste Wahl»

Philippe Chaumel, Fondsmanager bei Rothschild & Cie Gestion, setzt auf europäische Bankaktien– auch aus der Peripherie. Von Schweizer Banktiteln lässt er aber die Finger. Im Gespräch mit cash nennt er die Gründe.
22.03.2013 11:48
Von Frédéric Papp
Philippe Chaumel, Fondsmanager Rothschild & Cie Gestion, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Philippe Chaumel ist Fondsmanager des "R Conviciton Euro" aus dem Hause Rothschild & Cie Gestion, und er hat eine Vorliebe für europäische Bankaktien. Derzeit hält Chaumel über 11 Prozent des insgesamt 460 Millionen Euro schweren Fonds in Titel europäischer Finanzinstitute.

Anders siehts mit Schweizer Bankaktien aus: "In unserem Fonds halten wir keine Schweizer Bankwerte", sagt Philippe Chaumel im Gespräch mit cash. Hauptgrund sei, so Chaumel, dass die Schweizer Banken im Gegensatz zur Barclays oder BNP ihre Investmentbank verkleinerten. "Wir glauben nicht, dass dies die beste strategische Entscheidung war. Wir gehen davon aus, dass gerade im Investmentbanking die Margen wieder stärker werden."

Die UBS stutzte vor allem den Handel mit Obligationen und strukturierten Produkten zurück. Dies ist jener Teil der Bank, in dem 2007 die Milliardenabschreiber verursacht wurden, die zur Finanzkrise führten. Auch die Konkurrentin Credit Suisse ist in einigen Kapitalmarktbereichen auf dem Rückzug.

Französische und italienische Banken im Fokus  

Chaumel favorisiert deshalb andere Banken. Die französischen Grossbanken BNP und Société Générale sowie die italienische Intesa Sanpaolo zählen zu den drei Top-Positionen im Fonds.

"Die drei Bankinstitute haben ihre Bilanzen stark verbessert", sagt Chaumel im cash-Video-Interview. Sie seien gestärkt aus der Krise hervorgegangen und hätten – wie im Falle von BNP Paribas – Marktanteile im Investmentbanking hinzugewonnen, sagt der Fondsmanager.

Die Aktien der BNP avancierten in den letzten zwölf Monaten 14 Prozent. Allerdings sind die Papiere seit Januar 2013 leicht rückläufig. Eine ähnliche Kursentwicklung zeigt sich bei den Valoren des italienischen Finanzinstituts Intesa Sanpaolo. Chaumel traut BNP mittelfristig ein Kurspotenzial von 30 Prozent und Intesa Sanpaolo sogar ein solches von 40 Prozent zu.

Wirtschaft in der Eurozone keimt auf

Italienische Banken haben zurzeit so viele faule Kredite in ihren Bilanzen wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Insgesamt beträgt das Volumen notleidender Kredite über 126 Milliarden Euro. Dies schmälert die Kreditqualität der italienischen Banken. Der nationale Bankenverband rechnet erst mit einer Verbesserung der Situation, wenn die Wirtschaft wieder auf Touren kommt. In diesem Jahr dürfte das BIP einer Bloomberg-Umfrage unter 45 Analysten zufolge um 1,1 Prozent schrumpfen.

Laut Chaumel hat Italien aber den Tiefpunkt der Rezession erreicht. Dank eingeleiteter Reformen habe sich das wirtschaftliche Umfeld trotz der Regierungskrise in Italien weiter verbessert, sagt Chaumel. Für die Eurozone insgesamt sieht er ein Aufkeimen des Wirtschaftswachstums per Ende 2013, spätestens aber Anfang des nächsten Jahres.

Die Meinungen in Bezug auf Bankaktien aus Peripherieländern gehen allerdings selbst unter Experten auseinander. So empfiehlt zum Beispiel Laurent Ducoin, Leiter Europäische Aktien beim französischen Fondshaus Carmignac Gestion, die Hände von Bankaktien aus Eurosüdstaaten zu lassen (zum Artikel).

 

Im Video-Interview sagt Chaumel, welche Auswirkungen eine Pleite zypriotischer Banken auf den europäischen Finanzsektor habe. Zudem nennt er seine Favoriten unter den europäischen Banktiteln.

Philippe Chaumel verwaltet seit 2003 zusammen mit Didier Bouvignies den Fonds "R Conviction Europe" aus dem Hause Rothschild & Cie Gestion. Zu Chaumels Kernthemen gehören europäische Aktienstrategien.  Im vergangenen Jahr betrug die Wertentwicklung des Fonds rund 23 Prozent. Über den Zeitraum von drei Jahren betrachtet, reduzierte sich der Fondswert aber jährlich um knapp 4 Prozent.