Schweizer halten an Türkei-Reisen fest

Der gescheiterte Putschversuch in der Türkei schreckt die Schweizer Touristen offenbar kaum ab. Nur wenige sagten ihre geplante Reise ab.
17.07.2016 17:06
Weiterhin als Reiseziel beliebt: Fährschiff im Istanbuler Stadtteil Eminönü.
Weiterhin als Reiseziel beliebt: Fährschiff im Istanbuler Stadtteil Eminönü.
Bild: cash

Nach einem Stopp am Samstag haben auch wieder erste Flugzeuge Richtung Istanbul abgehoben. Ohnehin kaum betroffen von den Ereignissen waren die Badeorte. Am Samstagmorgen, nach dem Putschversuch, meldeten die Reiseveranstalter mit Berufung auf ihre Reiseleiter, die Lage an den Badeorten sei ruhig. Die Geschehnisse spielten sich denn auch vor allem in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul ab.

Auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) riet nicht von Reisen in die Türkei ab, sondern empfahl, sich in den Medien zu informieren und mit den Reiseveranstaltern Kontakt zu halten. Dennoch boten die von der Nachrichtenagentur sda angefragten Schweizer Reisebüros kostenlose Umbuchungen oder Annullationen an.

20 Prozent sagen Türkeireise ab

Bei Hotelplan Suisse nutzte dieses Angebot jeder fünfte Kunde, der Türkeiferien mit Abreise zwischen Samstag und Dienstag gebucht hatte. Bis gestern Nachmittag stornierten laut Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir 25 Kunden ihre Reise. Im Verhältnis etwa zu Stornierungen nach Terroranschlägen seien das nicht sehr viele.

Auch bei TUI Suisse nutzten Kunden nur "vereinzelt" die Möglichkeit, zu stornieren, wie Sprecherin Bianca Schmidt sagte.

Der Reiselust tat der Putschversuch kaum einen Abbruch: Bereits gingen bei Hotelplan Suisse wieder Neubuchungen für Türkeireisen ein, zwei davon sogar für Dienstag, wie Huguenin-dit-Lenoir sagte. Insgesamt liegen die Buchungen für Türkeireisen bei Hotelplan aber dennoch etwa 70% unter den Vorjahreszahlen.

Ein Drittel weniger Türkei-Besucher

Bereits Ende 2015 und Anfang 2016 habe Hotelplan aber das Angebot je um einen Viertel reduziert, weil der Reiseanbieter eine tiefere Nachfrage erwartete. Später drückten zusätzlich Terroranschläge auf die Reiselust.

Bei TUI Suisse rutschte die Türkei dieses Jahr von Platz zwei auf Platz drei der beliebtesten Badeferienziele ab. Viele Touristen sonnen sich lieber auf Mallorca oder auf der griechischen Insel Kreta.

Nicht nur die Schweizer buchen zurückhaltender Ferien: In der Türkei sind gemäss des Zahlen des Tourismusministeriums die Besucherzahlen vor Beginn der Feriensaison um rund ein Drittel eingebrochen.

600 Anfragen beim EDA

Der Putschversuch sorgte nun für erneute Verunsicherung. Bei der Helpline des EDA gingen bis Sonntagmittag rund 600 Anfragen von Reisenden ein, die sich über die Sicherheitslage vor Ort erkundigten und über die Möglichkeit, ihre Reise zu annullieren.

Doch könnten unter anderem auch die Fluglinien dazu beigetragen haben, dass die meisten Kunden sich trotzdem entschieden, ihre Reise anzutreten, wie TUI-Sprecherin Schmidt sagte.

Zwar strich die Swiss am Samstag ihre Flüge nach Istanbul. Die Badeferiendestinationen flog sie aber dennoch an, wie auch ihre Schwesterairline Edelweiss Air. Seit Sonntag fliegt die Swiss auch wieder nach Istanbul.

Aufgrund der aktuellen Lagebeurteilung kehre Swiss am Sonntag zum normalen Flugbetrieb in die Türkei zurück, hiess es in einer Mitteilung. Swiss-Flüge von und nach Istanbul können aber kostenlos umgebucht werden.

(AWP)