Schweizer reisen wieder billiger - dank Bernanke

Seit der Rede des US-Notenbank-Chefs Ben Bernanke am 22. Mai sinken die Währungen von Schwellenländern deutlich. Einzelne Feriendestinationen für Schweizer Reisende nun günstiger geworden.
17.07.2013 06:48
Von Frédéric Papp
Dank Fed-Chef Ben Bernanke lässt sich in fernen Landen günstiger relaxen.
Dank Fed-Chef Ben Bernanke lässt sich in fernen Landen günstiger relaxen.
Bild: iNg

Es war eine Rede, die es in sich hatte: Am 22. Mai sagte der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke in einer Kongressanhörung, dass die US-Fed ihr Staatsanleihenaufkaufprogramm in Höhe von 85 Milliarden Dollar monatlich "bei einem der kommenden Meetings" zurückzuschrauben könnte. Dies für den Fall, dass eine signifikante Erholung der Wirtschaft eintreten sollte.

Der Satz schlug ein wie eine Bombe. Er stoppte nicht nur die Rally an den Aktienmärkten. Die Warnung sorgte auch an den Devisenmärkten für heftige Turbulenzen – vor allem bei den Währungen der Schwellenländer. Denn die Aussicht auf die Eindämmung der Fed-Geldschwemme bewegt Anleger seit Wochen zum Abzug von viel Kapital aus den Emerging Markets.

So verbilligte sich zum Beispiel der brasilianische Real gegenüber dem Franken seit Ende Mai um rund 11 Prozent auf 42 Rappen (siehe Tabelle unten). Dies ist der tiefste Stand seit neun Jahren. Wer allerdings in das Land der Sambatänzerinnen reisen will, sollte nicht allzu lange zuwarten. Denn laut einer am Dienstag erschienenen Analyse prognostiziert die Credit Suisse in den kommenden Monaten eine Aufwertung des Real.

Indien, Thailand und Südafrika günstiger geworden

Ebenfalls deutlich günstiger geworden sind Reisen nach Indien. Die indische Rupie büsste seit dem 22. Mai gegenüber dem Franken 9 Prozent ein und notiert damit gegenüber der Schweizer Währung so tief wie nie zuvor. In der längeren Betrachtung zeigt der Trend ebenfalls nach unten. Beobachter erklären das überwiegend mit verschleppten Reformen und dem chronischen Leistungsbilanzdefizit des Subkontinents.

Auf Talfahrt geschickt hat Bernanke auch die thailändische Währung, den Thai Baht. Rund 7 Prozent beträgt das Minus zum Franken. Die Währungsschwäche dürfte die Schweizer besonders freuen. Denn Thailand zählt laut einer Umfrage des Reisekonzerns Kuoni zu den beliebtesten Reisedestinationen in diesem Jahr. Hotels, Verpflegung oder Inlandflüge lasten somit weniger stark als noch vor ein paar Monaten auf dem Ferienbudget von Herr und Frau Schweizer.  

Unter Abgabedruck geriet zudem der südafrikanische Rand, dies mit einem Minus von 6 Prozent. Am 11. Juni markierte die Währung gar ein neues Allzeittief bei weniger als 9 Rand pro Franken. Derzeit liegt der Wechselkurs bei 11 Rand. Neben Bernanke setzt der Währung auch der nachlassende Rohstoffhunger Chinas zu. Doch wer demnächst nach Südafrika reisen will, darf nicht allzu hohe Temperaturen erwarten. Denn auf der südlichen Halbkugel herrscht Winter. 

Aussie-Dollar im Sinkflug

Obwohl keine Schwellenland-Währung, hat der Australische Dollar über 8 Prozent an Wert eingebüsst. Im langjährigen Vergleich ist er aber immer noch hoch bewertet. Zur jüngsten Korrektur beigetragen haben neben der angekündigten Straffung der US-Geldpolitik auch Spekulationen um eine mögliche Zinssenkung durch die australische Notenbank (RBA). Der dortige Leitzins liegt gegenwärtig auf einem Rekordtief von 2,75 Prozent.

Weniger stark fielen die Veränderungen in den Hauptwährungen Euro und Dollar aus. Die Gemeinschaftswährung hat sich gegenüber dem Franken um 1,5 Prozent abgeschwächt, der Dollar immerhin um 3,5 Prozent.

Kursentwicklung der Schwellenland-Währungen seit dem 22. Mai 

Währung Wertentwicklung 
Brasilianischer Real -11%
Indische Rupie -9%
Thai Baht -7%
Südafrikanischer Rand -6%
Mexikanischer Peso -5%
Südkoreanischer Won -4%

Quelle: Bloomberg/cash.ch, Stand 16. Juli 2013