Schweizer Unternehmen kommentieren Brexit zurückhaltend - Geschäfte gehen weiter

(Zusammenfassung)
24.06.2016 15:00

Zürich (awp) - Die Schweizer Grossunternehmen kommentieren den Entscheid der britischen Wähler für einen EU-Austritt nur zurückhaltend. Die in Grossbritannien tätigen Unternehmen sowohl der Industrie- wie der Finanzbranche erwarten aber keine unmittelbaren Änderungen auf ihre Geschäftstätigkeit. Zudem wollen sie abwarten, wie sich die Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union über den Austritt und die künftige Zusammenarbeit gestalten.

Die Aktivitäten in Grossbritannien würden normal fortgesetzt, betonte etwa der Nahrungsmittelkonzern Nestlé am Freitag. "Wir bleiben voll und ganz unseren britischen Kunden und Mitarbeitern verpflichtet", hiess es auch von Seiten des Elektrotechnikkonzerns ABB.

Auch der Zementkonzern LafargeHolcim erwartet keine unmittelbaren Auswirkungen und will weiterhin an seinem langfristigen Engagement in dem Land festhalten. Der schweizerisch-französische Konzern ist in Grossbritannien mit der Tochter Aggregate Industries mit Sitz in Leicestershire vertreten, die einschliesslich einiger Gesellschaften in Nord- und Osteuropa rund 4'000 Mitarbeitende hat.

NOVARTIS UND CLARIANT MACHEN WEITER

Der Pharmakonzern Novartis erwartet gemäss einem Statement kurzfristig "keine signifikanten Auswirkungen auf die eigenen Aktivitäten und auf das Geschäft". Wie genau sich der "Brexit" auf die Life-Sciences-Branche allgemein und auf das Unternehmen auswirken werde, lasse sich aber nur schwer vorhersagen. Beim Chemieunternehmen Clariant, das in Grossbritannien an drei Standorten mit rund 130 Mitarbeitenden präsent ist, sieht man das Geschäft ebenfalls nicht unmittelbar betroffen. "Wir werden die Entwicklungen jedoch weiterhin aufmerksam verfolgen", erklärte CEO Hariolf Kottmann in einer Stellungnahme.

Der Industriekonzern Dätwyler sieht derweil keinen Einfluss auf die unlängst angekündigte Übernahme der britischen Premier Farnell. Man habe bei der Entscheidung für das Gebot beide möglichen Szenarien berechnet, sagte ein Sprecher zur AWP.

NEUE MARKTZUGANGS-REGELUNGEN GESUCHT

Bei den Banken will man zunächst einmal abwarten, wie sich das Verhältnis zwischen EU und Grossbritannien weiter entwickelt. Das Vereinigte Königreich werde sich nach seinem Austrittsentscheid mit Marktzugangsfragen zur EU zu beschäftigen haben, bemerkt man bei der Schweizerischen Bankiervereinigung. Die Unsicherheit für alle Unternehmen werde sich mindestens kurzfristig negativ insbesondere auf die Investitionen auswirken.

Die beiden Schweizer Grossbanken wollen aber ebenfalls noch nicht von Konsequenzen für das Geschäft in Grossbritannien reden. Man sei es sich gewohnt, das Geschäft auf Veränderungen vorzubereiten, wie es dem "demokratischen Willen der Öffentlichkeit entspricht", heisst es von Seiten der UBS. Unmittelbar habe das Votum zum EU-Austritt ja auch keinerlei "rechtliche Implikationen" für Kunden wie auch für die Mitarbeitenden in Grossbritannien, liess auch die CS auf Anfrage wissen.

BRITISCHEM MARKT VERPFLICHTET

Auch die Versicherer Swiss Re und Zurich sind in Grossbritannien stark engagiert. Die Zurich Gruppe sieht sich dem britischen Markt entsprechend weiter verpflichtet: Grossbritannien sei ein Schlüsselmarkt für die Zurich, so der Versicherer in einem kurzen Statement. Man werde auch nach dem Brexit den Vertriebspartnern, Gemeinschaften und den Mitarbeitern in Grossbritannien weiterhin verpflichtet sein.

Bei der Swiss Re sieht man es als noch zu früh für Aussagen darüber an, wie die Gruppe auf die sich verändernde Ausgangslage reagieren wird. Im Rahmen der laufenden Überprüfung potentieller politischer Risiken "beobachte und analysiere ein internes Team des Rückversicherers die möglichen Auswirkungen des EU-Austritts Grossbritanniens".

INVESTIS-IPO STEHT

Derweil will die Westschweizer Immobiliengesellschaft Investis trotz der Marktturbulenzen an ihrem Börsengang an der SIX festhalten, wie es auf Anfrage hiess. Die Gesellschaft hatte ihren Börsengang "am oder um den 30. Juni" angekündigt.

tp/uh

(AWP)