Schweizer Versicherungsbranche blickt auf durchwachsenes Jahr 2016 zurück

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Die Schweizer Versicherungsbranche hat sich 2016 gemessen am Volumen uneinheitlich entwickelt. Während in der Schadenversicherung die Prämieneinnahmen gegenüber dem Vorjahr weiter angestiegen sind, sank das Prämienvolumen in der Lebensversicherung. In Zukunft sieht sich die Branche etwa den Herausforderungen der Reform zur Altersvorsorge oder den Chancen und Risiken der Digitalisierung konfrontiert.
02.02.2017 10:40

Die Schweizer Privatversicherer seien insgesamt sehr solide unterwegs, sagte Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverband (SVV), am Donnerstag vor den Medien. "Allerdings bereiten uns weiterhin die tiefen Zinsen und die zunehmende Regulierungsdichte Sorgen." Dies setze insbesondere dem Lebengeschäft zu.

TIEFE ZINSEN BELASTEN

Laut Hochrechnungen des SVV sind die Einnahmen in der Lebensversicherung im Berichtsjahr um 6% auf 30,7 Mrd CHF gesunken. Der Rückgang kommen nicht überraschend, meinte Berger. Wegen der tiefen Zinsen sei es für die Anbieter schwierig, Zinsgarantien auf ihren Produkten abzugeben, hiess es.

Im Bereich Einzelleben nahm das Volumen um 5% auf 7,36 Mrd CHF ab. Im Kollektivleben, wo die Versicherer Vorsorgelösungen für KMU anbieten, fielen die Einnahmen um 6,3% tiefer aus als 2015. Der SVV schätzt die Prämieneinnahmen hier auf 23,3 Mrd.

Während sich die periodischen Prämieneinnahmen im Kollektivgeschäft stabil entwickelten und sich nach wie vor auf 10,7 Mrd CHF belaufen, sank das Geschäft mit Einmaleinlagen um knapp 11% auf 12,6 Mrd. Für KMU würden die von den Privatversicherungen angebotenen Vollversicherungslösungen weiterhin ein grosses Bedürfnis abdecken, so Berger. Doch lasteten die tiefen Zinsen auf der Entwicklung des Geschäfts.

In der Schadenversicherungen haben die Einnahmen im Jahr 2016 um 1,1% auf 26,8 Mrd CHF zugenommen. Dabei verzeichnete die Motorfahrzeugversicherung dank der Zunahme zugelassener Fahrzeuge ein Plus von 1,3% auf 6,00 Mrd.

Die Prämieneinnahmen in der Feuer-, Elementar-, und Sachschadenversicherung gingen hingegen um 0,9% auf 3,98 Mrd zurück. Grund dafür seien tiefere Prämien infolge eines günstigen Schadenverlaufs in den letzten Jahren, so die Mitteilung. Die übrigen Schadenversicherungen wuchsen um 0,7% auf 3,84 Mrd CHF.

NOTWENDIGE VORSORGEREFORM

In der beruflichen Vorsorge seien die Anbieter stark vom demografischen Wandel und den Entwicklungen an den Finanzmärkten abhängig, hiess es weiter. Die Versicherer unterstützten daher das Reformprojekt "Altersvorsorge 2020" von Beginn an. Die Reform sei dringend nötig, um die Altersvorsorge finanziell zu stabilisieren und das jetzige Leistungsniveau beizubehalten, hält der SVV fest.

Weitere Herausforderungen sieht der Verband etwa im Klimawandel sowie in der Digitalisierung der Branche. Mit dem Klimawandel dürften Naturereignisse immer häufiger und intensiver auftreten und die Schäden daraus zunehmen, warnt der SVV. Eine nachhaltige Klimapolitik sei daher vonnöten.

In Sachen Digitalisierung gebe es zahlreiche Chancen und Herausforderungen, die es zu meistern gelte. Der SVV befasse sich mit den politischen Rahmenbedingungen dazu. Aktuell gehe es um die Revision des Datenschutzgesetzes. Die Vorlage dazu begrüsse man grundsätzlich, jedoch müssten die daraus neu entstehenden Pflichten noch auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden, so die Mitteilung.

mk/rw

(AWP)