Schweizer Wirtschaft leidet laut CS-Studie kaum unter politischen Unsicherheiten

(Meldung ergänzt mit Stimmen aus der MK) - Politische Unsicherheiten wirkt sich kaum auf das Investitionswachstum der Schweizer Wirtschaft aus. Das zeigt die Studie "Monitor Schweiz" der Credit Suisse. Auch bei grösseren Verwerfungen reagieren hiesige Unternehmen nur dann, wenn sich eine klare Änderung der Rahmenbedingungen abzeichnet, lautet der Befund. Die Schweizer Nationalbank (SNB) sei dabei ein stabilisierender Faktor.
13.06.2017 12:25

Politische oder geldpolitische Entscheide wie die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI), die Aufhebung des Euro-Mindestkurses, der Brexit-Beschluss oder die Wahl von Donald Trump würden von Schweizer Unternehmen als zunehmende Unsicherheit wahrgenommen. Die Reaktionen der befragten Firmen seien aber jeweils äusserst besonnen ausgefallen, sagte Claude Maurer, Ökonom bei der Credit Suisse, am Dienstag vor den Medien.

Als Grund nennen die CS-Ökonomen, dass Unternehmen die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung politischer Entscheide ziemlich genau abschätzen könnten und laut Maurer nur auf "klare Änderungen" der Rahmenbedingungen reagieren. "Der politische Lärm hat zugenommen", sagte Oliver Adler, Chefökonom der CS Schweiz. "Zentral ist aber, ob die politischen Entscheide das fundamentale Umfeld tatsächlich ändern oder nicht". Sind politische Entscheide nur begrenzt umsetzbar und zeitlich nicht einzugrenzen, seien deren Wirkung auf die Realwirtschaft gering, so Adler.

SNB DÜRFTE DEVISENMARKTINTERVENTIONEN FORTSETZEN

"Die Unternehmen haben zudem gelernt, dass die SNB gewisse Verwerfungen und Unsicherheiten ausgleichen kann", ergänzte Maurer. Die CS-Ökonomen rechnen fest damit, dass die SNB ihre Käufe wieder aufstockt, falls Ereignisse wie der Brexit-Prozess die Unsicherheit und somit auch die Nachfrage nach Schweizer Franken erhöhen würden.

Bevor sich die Geldpolitik in Europa normalisiert, habe die SNB aber keinen Anlass zur Änderung ihrer bisherigen Interventionspolitik, so Maurer. Er rechnet auch mit einer Beibehaltung der Negativzinsen bis mindestens Ende 2018.

Die Ökonomen der Credit Suisse belassen ihre Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft für 2017 trotz zahlreichen politischen Unsicherheiten bei 1,5%. Für 2018 rechnen die Experten mit einer leichten Beschleunigung auf 1,7%. Die Teuerung dürfte zudem in beiden Jahren bei 0,5% liegen. "Das Wachstum in der Schweiz bleibt moderat, es gewinnt aber an Breite", resümierte Adler.

sta/rw

(AWP)