Schweizerische Nationalbank - Kein Konflikt zwischen Zielen der Geldpolitik und der Altersvorsorge

Aus Sicht der Schweizerischen Nationalbank besteht zwischen den Zielen der Geldpolitik und einer nachhaltigen Altersvorsorge kein Konflikt.
27.06.2017 13:55
Ein älteres Ehepaar geniesst die Ruhe im Wald.
Ein älteres Ehepaar geniesst die Ruhe im Wald.
Bild: pixabay.com

Die Nationalbank strebt mit ihrer Politik stabile Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung in der Schweiz an und dies sei auch im Interesse der Vorsorgewerke, begründet Dewet Moser, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums der Nationalbank, am Dienstag an der 44. AWP-Tagung in Bern diese Einschätzung. Mit den strukturellen Problemen des Vorsorgesektors habe die Nationalbank bzw. ihre Politik nichts zu tun.

Die Geldpolitik kann insbesondere die Inflation, den kurzfristigen Zins sowie bei Bedarf auch den Franken-Wechselkurs beeinflussen. Für die Altersvorsorge seien aber insbesondere auch politisch gesteuerte Grössen wie die Höhe der Beiträge, das Rentenalter, die Höhe der Renten, Umwandlungssatz und Mindestzins sowie Anlagevorschriften von Bedeutung, erläutert die Nationalbank. Zusätzlich wirken exogene Faktoren wie die globale Zinsentwicklung, die Finanzmarktrenditen, die Entwicklung der Weltwirtschaft und die demografischen Veränderungen.

Für Moser besitzt die Geldpolitik über die Zinsen und deren Auswirkungen auf die Kapitalmarktrendite vor allem einen indirekten Einfluss auf unser Vorsorgesystem. Die SNB wirke über die Zinsen so indirekt auf den "dritten" Beitragszahler. Moser verwies in diesem Zusammenhang aber darauf, dass der Trend zu tieferen Zinsen bereits seit über 30 Jahren anhält und vor allem strukturelle Gründe wie den Rückgang der Inflationsraten sowie des Wirtschaftswachtsums hat. Dazu seien in den letzten Jahren im Nachgang der Finanzkrise allerdings noch zyklische Gründe dazugekommen, was zum aktuellen Tiefzinsniveau geführt hat.

Franken bleibe deutlich überbewertet

Mit der aktuell sehr expansiven Geldpolitik wolle die SNB die Preisentwicklung in der Schweiz stabilisieren und die Wirtschaftsaktivität unterstützen. Der Negativzins stellt dabei die Zinsdifferenz zum Ausland wieder her und macht Anlagen in den Franken weniger attraktiv, bekräftigte er die bekannte Argumentation der SNB.

Obwohl der Franken in den letzten Monaten trotz der verschiedenen politischen Unsicherheiten "erstaunlich stabil" gewesen sei, bleibe er jedoch "deutlich überbewertet", machte Moser klar. Aktuell notiere der handelsgewichtete Frankenkurs gemäss den SNB-eigenen Berechnungen rund 9% über dem langfristigen Durchschnitt.

Eine gewisse "Mitschuld" an der Frankenstärke kommt gemäss Moser auch den Pensionskassen zu. Diese würden hohe Vermögen verwalten und hätten durch die Reduktion der Fremdwährungsrisiken in den vergangenen Jahren im Nachgang der Finanzkrise zur Frankendynamik beigetragen.

Expansive Geldpolitik notwendig

Moser bekräftigte an der AWP-Tagung vor den Vorsorgeexperten die gültige Politik der Schweizer Währungshüter, wonach zur Gewährleistung der Preisstabilität weiterhin eine expansive Geldpolitik notwendig bleibt. Die Inflation sei und bleibe für den Prognosezeitraum weiter sehr gedrückt.

Die AWP-Tagung wird vom Fachmagazin "AWP Soziale Sicherheit" organisiert und findet jährlich statt. Die vierzehntägig erscheinende Fachpublikation "AWP Soziale Sicherheit" deckt die gesamte Bandbreite der Vorsorge und sozialen Sicherheit ab mit einem Schwerpunkt auf der Zweiten Säule.

(AWP)