Schweizerische Post hat 2015 fast 100 Poststellen geschlossen

(Meldung nach MK ausgebaut)
13.06.2016 14:45

Bern (awp/sda) - Fast hundert Poststellen hat die Post im letzten Jahr schweizweit geschlossen. Im Gegenzug nehmen mehr Dorfläden im Auftrag der Post Briefe und Pakete entgegen - ein guter Ersatz, findet die Eidgenössische Postkommission (PostCom). Sie kritisiert aber das willkürliche Vorgehen der Post bei der Schliessung von Poststellen.

Die Post gehe fallweise vor und schliesse Poststellen dort, wo sich gerade eine geeignete Gelegenheit bietet - beispielsweise wenn der Poststellenleiter pensioniert werde, schreibt die PostCom in ihrem Jahresbericht. Diese Vorgehensweise sei problematisch und wenig transparent.

Es sei nun an der Zeit, eine Gesamtschau zu machen, findet die PostCom. Denn wegen des finanziellen Drucks dürfte der Umbau des Poststellennetzes weitergehen. Und dabei gehe es zunehmend ans Eingemachte, sagte PostCom-Präsident Hans Hollenstein vor den Medien in Bern.

KLASSISCHE POSTSTELLEN AUF DEM PRÜFSTAND

Letztes Jahr ging der Umbau etwa im gleichen Tempo weiter wie bisher. Schweizweit betrieb die Post 1'464 Poststellen, 98 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Agenturen - beispielsweise Dorfläden, die im Auftrag der Post das Postgeschäft betreiben - um 75 auf 735.

"Es hat eine Umwandlung stattgefunden, die teilweise die Gemeindebehörden und die Bevölkerung schmerzt", sagte Hollenstein. Aus seiner Sicht sollte jedoch nicht an den klassischen Poststellen festgehalten werden.

Agenturen seien für die Post günstiger und böten oft lange Öffnungszeiten an, gab er zu bedenken. Auch sei die Zahl der sogenannten Zugangspunkte - Poststellen, Agenturen und Hausservice-Lösungen zusammengezählt - über die letzten Jahre hinweg konstant geblieben.

REGIONALE KRITERIEN GEFORDERT

Die Erreichbarkeit der Poststellen und -agenturen hat sich 2015 sogar verbessert. 94,3% der Haushalte erreichten innerhalb von 20 Minuten zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Poststelle oder eine Postagentur. Der Zielwert von 90% wurde damit übertroffen.

Allerdings ist dieser nach Ansicht der PostCom kein guter Richtwert. "Wenn ein Grossteil der Bevölkerung in den Agglomerationen und Zentren wohnt, wird man diesen Wert immer erreichen", sagte Hollenstein. "Unsere Sorge aber gilt den Randregionen." Die PostCom fordert daher, dass regionale Kriterien erarbeitet und rechtlich verankert werden.

MEHR HAUSHALTE OHNE REGULÄRE ZUSTELLUNG

Dass auch Leistungen abgebaut werden, zeigt sich in der steigenden Zahl an Personen, denen Briefe nicht zum Haus gebracht werden. Bei 1005 Haushalten gab es letztes Jahr keine reguläre Hauszustellung; im Vorjahr waren es noch unter 900 gewesen.

Die Post verschärfe ihre Praxis, was zwangsläufig auf eine Zunahme hinauslaufen dürfte, hält die PostCom fest. Allerdings sei die Zahl im Verhältnis zur Gesamtzahl der versorgten Häuser gering. Und die Post müsse nun mal ihre Kosten reduzieren.

Genauer hin schaut die Post auch bei den Standorten der Hausbriefkästen, wie Hollenstein sagte. Steht dieser näher an der Strasse, ist der Weg für die Postboten kürzer - aber weiter für die Hausbewohner. Die Zahl der Beanstandungen deswegen bei der PostCom hat sich 2015 mehr als verdoppelt.

MEHR REKLAMATIONEN UND EINE GOLDMEDAILLE

Angestiegen ist auch die Zahl der Reklamationen, die letztes Jahr bei der Post eingingen: 208'000 waren es, das sind 2,5% mehr als im Vorjahr. Am häufigsten reklamierten die Kunden wegen verloren gegangenen Sendungen und Briefen.

Ein Kränzchen windet die PostCom der Post hingegen bei der Zustellung von A-Post-Briefen. 97,8% kamen pünktlich an. Unter den europäischen Anbietern erhielte die Post mit diesem Wert laut Hollenstein die Goldmedaille.

Neben der Schweizerischen Post gab es hierzulande Ende Mai über 150 private Postdienstleistungsanbieter. Diese leisten laut PostCom einen wichtigen Beitrag zur Versorgung und kurbeln den Wettbewerb an - allerdings spielt dieser momentan vor allem im Paketmarkt, und private Anbieter sehen sich noch immer mit Hürden konfrontiert. Die PostCom will den Marktzugang für private Anbieter weiter fördern.

Massiv auswirken dürfte sich laut PostCom in naher Zukunft die "Sharing Economy". Vorstellbar sei etwa, dass der Taxifahrer eines Tages auch die Post verteilt, sagte Hollenstein. Hier müsse abklärt werden, ob es zusätzliche Regulierungen brauche.

mk

(AWP)