Seco behebt Diskriminierung älterer Arbeitnehmender auf Job-Room.ch

Bern (awp/sda) - Auf dem Online-Stellenportal Job-Room.ch, das das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) betreibt, werden Stellensuchende mit ihrem Alter aufgeführt. Arbeitgeber auf der Suche nach Mitarbeitenden können so Ältere per Mausklick aussortieren - bis heute Freitag. Doch in den nächsten Tagen soll das ändern.
01.07.2016 19:00

Das Seco muss sich also den Vorwurf gefallen lassen, zur Diskriminierung von über 50-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt beizutragen. Diesen Vorwurf erhebt denn auch der "Tages-Anzeiger" in seiner Ausgabe von Freitag. Doch: "In den nächsten Tagen werden sämtliche Altersangaben bei Job-Room.ch eliminiert", verspricht Oliver Schärli, Leiter Arbeitslosenversicherung beim Seco gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Bis jetzt ist es so, dass die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im Job-Room die bei ihnen gemeldeten Arbeitslosen als Stellensuchende online auflisten. Dafür verwenden die RAVs unter anderem die Daten der jeweiligen Lebensläufe und deshalb erscheint auch das Alter dieser Stellensuchenden.

Doch ohne Einwilligung der Arbeitslosen wurde im Online-Stellenportal nichts veröffentlicht. Arbeitgeber auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden können diese Listen von Stellengesuchen per Mausklick durchsuchen - und eben auch nach Alter sortieren.

"ALTER" SEIT 2015 KEIN KRITERIUM

Wenn jedoch Arbeitgeber bei Job-Room Stellen melden, gibt es kein Erfassungsfeld für das Alter. Zudem können sie, wenn sie online Kandidaten suchen, kein Suchkriterium "Alter" eingeben. "Das wurde bereits 2015 entfernt", sagt Fabian Maienfisch, Sprecher beim Seco.

Denn damals hatte das Parlament den Bundesrat beauftragt, gegen Diskriminierung der Über-Fünfzig-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt vorzugehen. Erstmals im April 2015 trafen sich Vertreter von Bund, Kantonen, Gewerkschaften und Arbeitgebern zu einer ersten nationalen Konferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende.

Diese Konferenz wurde am 21. April 2016 fortgesetzt und soll auch im April 2017 wieder stattfinden. Unter der Leitung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann wird über die Bedürfnisse und die wachsende Bedeutung älterer Arbeitnehmender in der Schweiz diskutiert.

Der Hintergrund davon ist, dass die Generation 50-Plus auf dem Arbeitsmarkt an Bedeutung gewinnt, wenn wegen der Masseneinwanderungsinitiative und wegen zunehmender Alterung der Gesellschaft die Fachkräfte knapp werden.

2015 hatten sich die Arbeitgeberverbände dafür ausgesprochen, in Stelleninseraten "wo möglich" auf die Angaben von Altersgrenzen zu verzichten. Und an der diesjährigen Konferenz zeigte ein Bericht der Universität Zürich, dass 2006 noch 16% der Stelleninserate eine Alterslimite vorgaben und 2015 dieser Anteil auf rund 6% gesunken war.

WUNSCH NACH JÜNGEREN IM GASTGEWERBE

Bemerkenswert ist jedoch, dass dieser Anteil nicht kontinuierlich zurückgegangen ist, sondern jeweils im Verhältnis zur Situation auf dem Arbeitsmarkt stand. Wenn Arbeitgeber befürchten mussten, dass sie ihre freie Stelle nicht besetzen können, dann waren sie eher bereit auf Alterslimiten zu verzichten. In Zeiten mit relativ hoher Arbeitslosigkeit hingegen stieg auch die Zahl der Stelleninserate mit Alterslimiten.

Wenig überraschend ist, dass vor allem in Branchen wie dem Gastgewerbe, dem Handel oder auf dem Bau der Wunsch nach jüngeren Mitarbeitenden gross ist, während das Alter im Bereich Öffentliche Dienste, Bildung oder Gesundheit keine grosse Rolle spielt.

Diese Perspektive der Arbeitgeber hatte man beim Seco im Visier, als 2015 das Portal Job-Room.ch überarbeitet wurde. "Wir hatten im ersten Schritt nur die Stelleninserate und die Suchfunktionen für Arbeitgeber im Blick", sagt Schärli. Unausgesprochen räumt er damit ein, dass das Seco die Altersangaben der Stellensuchenden auf den Auflistungen der RAVs wenig wichtig genommen oder gar übersehen hat.

uh

(AWP)