SEF 2017: Innovationsforscher Christensen fordert mehr langfristiges Denken

Für Harvard-Professor Clayton Christensen ist der Fall klar: Nur bahnbrechende Innovationen schaffen langfristig Wachstum und Arbeitsplätze. Doch Manager stehen solchen Innovationen oftmals mit kurzfristigem Renditedenken im Weg.
02.06.2017 18:26

In seiner Rede zum Abschluss des Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken erörterte der Innovationsforscher Clayton Christensen am Freitag drei verschiedene Innovationstypen.

Erfindungen, die ein Produkt auf einmal für die grosse Masse erschwinglich machen, bezeichnet Christensen als disruptive Innovationen. Als Beispiele nannte der Forscher etwa die Erfindung des Personal Computers in den 1980-er Jahren oder die Lancierung des Modell T von Henry Ford im Jahr 1908.

Durch die grosse Nachfrage schnellte der Absatz nach diesen Computern und Autos nach oben. Um die Nachfrage zu befriedigen, mussten wiederum die Produktionskapazitäten ausgebaut werden. Das führte zu Wachstum und neuen Jobs.

LANGFRISTIG KEIN WACHSTUM

Als zweiten Innovationstyp führte Christensen die "sustaining innovation" auf. Dabei geht es darum, bestehende gute Produkte noch besser zu machen. So können Unternehmen zwar die Margen steigern, langfristig schaffen sie aber kein Wachstum. Denn wenn zum Beispiel ein Autoverkäufer von Toyota einen Kunden dazu bringt, ein Hybrid-Modell Prius zu kaufen, dann kauft der Kunden gleichzeitig nicht auch noch ein herkömmliches Auto.

Und drittens gibt es gemäss dem Harvard-Professor die Effizienz-Innovation. Dabei wird mit weniger Mitteln mehr hergestellt. Doch auch dieser Typus schafft langfristig kein Wachstum. Denn es werden ja weniger Arbeiter benötigt. Und die Konkurrenz reagiert ebenfalls mit einem Stellenabbau, damit sie mit der Effizienzsteigerung Schritt halten kann.

MANAGER IM DILEMMA

Laut Christensen stecken die Manager bei der Frage, in welchen dieser Innovationstypen sie investieren sollen, in einem Dilemma. Eigentlich wüssten sie, dass sie in disruptive Innovationen investieren müssten. Aber meist dauere es fünf bis zehn Jahre, bis sich die Investitionen auszahlten und sich neue Märkte öffneten.

Weil die Wirtschaftswelt allgemein aber zu stark auf die Kennzahl der "internen Rendite" fokussiert sei, nutzten die Manager das Geld lieber um die Effizienz zu steigern, kritisierte Christensen. Denn so komme das Geld schneller zurück und die interne Rendite steige, wodurch die Manager gegenüber den Analysten besser dastünden.

WELT SCHWIMMT IM GELD

Oder aber das Kapital werde in noch mehr Kapital investiert, was vor allem im aktuellen Tiefzinsumfeld mit praktisch inexistenten Kapitalkosten verlockend sei. Doch in beiden Fällen werde kein Wachstum geschaffen.

Die Welt sei heute mit Kapital überschwemmt, aber trotzdem schafften wir es nicht in Wachstum zu investieren. Christensen plädierte dafür, die Finanzen grundsätzlich zu überdenken. Die Kennzahl der internen Rendite sei nicht sakrosankt. Die einzigen, die entscheiden, wie Erfolg gemessen werde, seien die Menschen selbst. "Nur wenn wir Erfolg anders messen, können wir innovativer sein", schloss Christensen.

(AWP)