SG-E fürchtet Wiederholung der Exportkrise von 2012 und 2015

Die Aussenwirtschaftsförder-Organisation Switzerland Global Enterprise (SG-E) fürchtet eine Wiederholung der Krise von Exportfirmen in den Jahren 2012 und 2015. "Wir haben die gleichen Zutaten wie nach der Finanzkrise vor zehn Jahren", sagte SG-E-Direktor Daniel Küng in einem Interview mit der "Sonntagszeitung".
08.09.2019 17:54

Es herrsche eine grosse Unsicherheit, wegen des Wirtschaftskriegs zwischen den USA und China, der instabileren geopolitischen Lage, des Brexit, der Argentinien- und der Irankrise. Gleichzeitig werde der konjunkturelle Rückgang spürbar, von China über Indien bis nach Deutschland und Grossbritannien. Die Unsicherheit schlage auf die Währung durch, sagte Küng: "Es ist uns in den letzten zehn Jahren nicht gelungen, die Reservewährung Schweizer Franken von der Handelswährung Schweizer Franken zu entkoppeln. Das Risiko ist gross, dass wir erneut in eine schlimme Lage geraten."

Er erwarte die gleichen Auswirkungen wie 2012 und 2015, sagte Küng: Die Arbeitslosigkeit werde zunehmen, es werde mehr Firmenkonkurse geben. Fast noch schlimmer seien die längerfristigen Folgen: Mit dem wieder erstarkten Franken würden die Margen sinken. In der Folge könnten die Firmen weniger investieren. Damit sinke die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit. "Das werden wir erst in drei, vier Jahren spüren."

Den Handelskrieg als solchen findet Küng "nicht so besorgniserregend". Verschiedene Studien besagten, er führe zu Wirtschaftseinbussen von zwischen drei und sechs Prozent - je nachdem, wie viele Länder noch aufspringen und ebenfalls Strafzölle erlassen würden. "Das ist sicher erheblich, aber nicht katastrophal. Der Abschwung und der teure Franken tun den Schweizer Firmen viel mehr weh als der Handelskrieg", sagte Küng.

Am meisten betroffen seien die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Zudem treffe es die Anlagenbauer, die Zulieferer der deutschen Autoindustrie und ganz allgemein Firmen, die stark auf den Euroraum ausgerichtet seien, sagte Küng: "Am wenigsten Sorgen machen müssen sich die Pharma- und die Chemieindustrie. Alle anderen wird es schmerzen."

Die Schweizer Firmen sollten versuchen, vom Handelskrieg zwischen China und den USA zu profitieren. "Also schauen, wo sie einspringen können, wenn sich die beiden Länder gegenseitig blockieren. Und sie sollten ihr Risiko gegenüber dem Euroraum weiter vermindern, ihr Geschäft in anderen Märkten stärken", sagte Küng.

Die Schweiz sei mehrheitlich gut auf den Abschwung vorbereitet. "Die Firmen sind schlank, effizient, produktiv. Wir sind weit bei der Digitalisierung. Wir haben frühzeitig auf bilaterale Freihandelsabkommen gesetzt. Und wir haben frühzeitig die Weichen gestellt in Richtung neue Wachstumsmärkte", sagte Küng.

Die Schweiz sollte sich einen nachhaltig gesicherten Zugang zur EU verschaffen. Diesen habe sie heute nicht, sagte Küng: Derzeit sei der EU-Zugang nur kurzfristig gesichert. Die Weiterentwicklung der Beziehungen zur EU und sogar die bestehenden bilateralen Verträge würden politisch infrage gestellt. "Das ist gefährlich", sagte Küng.

Der Brexit sei eher eine Chance als ein Risiko. Die Firmen, die Grossbritannien bisher vom europäischen Festland aus beliefern würden, begännen nun, auf den britischen Inseln eigene, lokale Vertriebsorganisationen aufzubauen.

Wenn das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay gebodigt würde, wäre das schade und eine vertane Chance, "denn bei Mercosur reden wir von über 180 Millionen Franken Zolleinsparungen pro Jahr. Das ist ein schöner Betrag, aber das alleine macht die Sau nicht fett", sagte Küng.

jb/

(AWP)