«Siege und Errungenschaften»  - Der Kreml wertet sich in einer PR-Strategie selbst auf

Wenige Monate vor der Präsidentenwahl hat die russische Regierung eine Kampagne gestartet, um die Errungenschaften der vergangenen Jahre besonders hervorzuheben.
19.11.2017 08:10
Blick auf den Kreml in Moskau.
Blick auf den Kreml in Moskau.
Bild: Pixabay

Wie aus Dokumenten hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen, sollen vor allem grosse Unternehmen der Energiebranche in diese PR-Aktion eingebunden werden. Die vom Energieministerium an 45 Unternehmen versandten Handreichungen legen detailliert fest, welche Art von Beiträgen gewünscht ist. Sie sollen sich auf neue Jobs, wissenschaftliche Erfolge und neue Infrastruktur konzentrieren. Ausserdem gibt es genaue Richtlinien, wie und wann die Geschichten präsentiert werden sollen.

"Das Leben wurde für die Mehrheit der Menschen entspannter, bequemer und attraktiver", heisst es in der Anweisung. "Viele Beispiele dafür entgehen den Medien aber." Die Aufgabe sei daher, durch ein kreatives und sorgfältiges Herangehen solche Beispiele herauszusuchen und den Medien anzubieten.

«Das Leben wird immer besser»

Die Handreichung schickte das Energieministerium den Dokumenten zufolge im vergangenen Monat an Unternehmen wie Rosneft, Lukoil und Novatek. Die anstehende Wahl wird in den Dokumenten nicht ausdrücklich erwähnt. Es gehe darum, positive Nachrichten auf den Draht zu bekommen. Die Botschaft soll sein: "Das Leben wird immer besser" und "Wie es war und wie es heute ist".

Zusammen mit den Dokumenten wurden die PR-Vertreter der Unternehmen in das Ministerium eingeladen, um darüber zu beraten, wie sie die Kampagne der Regierung unterstützen können. Termin der Veranstaltung war der 12. Oktober. Von den 45 Unternehmen sind 17 staatlich und 28 privat. Ausgegangen ist die Initiative vom stellvertretenden Stabschef im Präsidialamt, Sergej Kirijenko. Weder sein Sprecher noch das Energieministerium noch das Präsidialamt reagierten auf die Bitte um eine Stellungnahme. Auch eine entsprechende Anfrage an die grössten der 45 Firmen bleib unbeantwortet.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass entsprechende Anweisungen auch an Unternehmen anderer Wirtschaftszweige gegangen sind. Unklar ist auch, ob sich die Firmen daran halten. Reuters konnte auch nicht in Erfahrung bringen, ob ähnliche PR-Kampagnen bei früheren Wahlen geführt wurden.

Erinnerun an «Helden der Arbeit»

Die Vorgaben der PR-Aktion sind sehr detailliert und erinnern teilweise an sozialistische Propaganda-Kampagnen. So sollen "Siege und Errungenschaften" hervorgehen werden. Gefragt seien Geschichten über Betriebe, "über die man sagen kann, dass der Staat ihnen geholfen hat, aus der Krise zu kommen, eine moderne Produktion mit modernen Anlagen aufzubauen und den Menschen der Region Arbeit zu geben". Auch von den Firmen unterstützte Veranstaltungen in Kultur und Sport sollten erwähnt werden.

Als ein Beispiel für positive Geschichten wird der Bergmann Jewgeni Kosmin in Westsibirien genannt, dessen Team im Juli einen Rekord bei der Kohleförderung aufgestellt habe. Das erinnert an den Kohlebergmann Alexej Stachanow, der 1935 im Donezbecken fast 15 Mal so viel wie vorgeschrieben gefördert haben soll und danach jahrelang als Paradebeispiel eines engagierten sozialistischen Arbeiters galt.

(Reuters)