Siemens plant keinen Stellenabbau in der Schweiz

Bei Siemens Schweiz sollen keine Stellen gestrichen werden. Das versichert der Chef von Siemens Schweiz Siegfried Gerlach in einem Interview mit der "Aargauer Zeitung". Ausserdem kritisiert er die hohen Managerlöhne. Diese haben seiner Ansicht nach der Glaubwürdigkeit der Schweizer Wirtschaft geschadet.
14.08.2017 11:24

Die Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses im Januar 2015 habe Siemens nicht ganz so stark tangiert wie andere Firmen, sagte Gerlach. "Wir haben schon damals sehr viel aus dem europäischen Raum bezogen."

Dass Siemens heute rund tausend Mitarbeitende weniger beschäftigt als noch vor fünf Jahren, liege denn auch nicht am starken Franken. Vielmehr habe dies mit Verkäufen und unternehmensinternen Verlagerungen zu tun. "Das betrifft rasch einmal hundert Mitarbeitende", so Gerlach.

Mit Abbaurunden in der Schweiz müsse man aber nicht rechnen. "Es gibt im Konzern Siemens Bereiche, die leiden, und es werden auch Stellen abgebaut. Das betrifft aber nicht Siemens Schweiz", sagte Gerlach.

Erst im Mai dieses Jahres gab der Elektrokonzern bekannt, in den kommenden Jahren in Deutschland insgesamt rund 2700 Jobs zu streichen, ver- oder auszulagern.

"VASELLA UND CO. HABEN BÄRENDIENST ERWIESEN"

Gerlach, der ursprünglich Deutscher ist und mittlerweile den Schweizer Pass besitzt, nahm im Interview zudem Stellung zu der heiss diskutierten Altersreform 2020, welche ein Rentenalter 67 ausklammert.

"Es widerstrebt mir, einer Lösung zuzustimmen, die nicht wirklich nachhaltig ist." Er sei aber trotzdem der Meinung, dass dieser Schritt gemacht werden müsse: "Es ist besser als wenn wir nichts tun würden." Längerfristig führe aber kein Weg an einem Rentenalter 67 vorbei.

Trotz der gescheiterten Vorlage zur Unternehmenssteuerreform glaubt er weiterhin an die Reformfähigkeit des Landes. "Die Steuervorlage war vielleicht nur zu kompliziert." Aber auch das Glaubwürdigkeitsproblem der Wirtschaft seit der Finanzkrise und den Managerlohndebatten hätten dazu geführt: "Ich habe immer gesagt, dass die Vasellas und Co. der Wirtschaft einen Bärendienst erwiesen haben."

Er selber verdiene jedenfalls weniger. "Mein Lohn liegt weit unter einer Million Franken. Und ich bin weit davon entfernt, mich zu beklagen", sagte Gerlach gegenüber der Zeitung.

Weiter sprach der Konzernchef im Interview über die Digitalisierung und appelliert an die Verantwortung der Gesellschaft. "Es werden viele Jobs oder gar Berufsgattungen wegfallen. Hier hat die Gesellschaft sicher eine Verantwortung."

Gerlach fordert deshalb, dass das Bildungssystem erneuert wird. Es müssten Gefässe geschaffen werden, wo Menschen zwei- bis dreimal im Leben eine neue Berufsausbildung machen können.

"ERSTAUNT ÜBER DIE RECHTSLAGE"

Gerlach äusserte sich auch zu den verlorenen Ausschreibungen für Trams in Zürich und Basel. Der Auftrag, 70 neue Trams für die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) zu liefern, ging im Mai 2016 an die kanadische Firma Bombardier.

Siemens hatte, wie auch der Mitkonkurrent Stadler Rail, Beschwerde gegen das Auswahlverfahren der VBZ eingelegt. Das Zürcher Verwaltungsgericht hatte die Beschwerde teilweise abgewiesen. Anfang März 2017 gab Siemens bekannt, auf einen Gang vors Bundesgericht zu verzichten.

Er sei nach wie vor sehr erstaunt über die Rechtslage in unserem Land, sagte Gerlach. "Was mir missfällt, ist, dass man so tut, als ob es bei den Ausschreibungen objektiv zugeht." Der Ausschreibende könne genau den nehmen, den er will. "Das ist nicht in allen Ländern so."

Im Fall der VBZ-Trams sei eine Lösung vorgezogen worden, die für Zürich 200 Millionen Franken teurer sei als die ihrige. Zu den Medienberichten, dass Bombardier demnächst in diesem Bereich mit Siemens zusammengehen soll, nahm Gerlach keine Stellung.

(AWP)