SIFF 2016 UBS- und CS-VRP: Emotionale Brexit-Diskussion - Kritik an Negativzins

Zürich (awp) - Der Verwaltungsratspräsident der UBS, Axel Weber, hat sich äusserst besorgt über die möglichen Auswirkungen des Entscheids in Grossbritannien gezeigt, aus der EU auszuscheiden. Das Hauptproblem des Brexit sei, dass der wichtigste Kapitalmarkt plötzlich ausserhalb der EU liege, sagte er an einer Podiumsdiskussion am "Swiss International Finance Forum" (SIFF) am Dienstag in Bern.
28.06.2016 17:25

Die Kapitalmarktunion funktioniere ohne die Briten nicht, weshalb die EU letztendlich zu Zugeständnissen gezwungen sein werde, sagte der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank weiter. In diesem Zusammenhang zeigte er sich vor allem besorgt über die bisherigen Reaktionen in europäischen Hauptstädten unmittelbar nach dem Votum im Vereinigten Königreich. Es werde eine "emotionale Diskussion" geführt und nicht danach gestrebt, "was für alle am besten ist", so seine Beobachtung.

Das Schlimmste für die Märkte sei die hohe Unsicherheit, fügte der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, Urs Rohner, hinzu. Denn diese werde andauern: Sehr lange werde man nicht wissen, was der Fahrplan bezüglich des Brexit sein wird, und wie man dort hinkommen will. Das werde sich definitiv niederschlagen in den ökonomischen Daten - in England, aber auch hier.

KRITIK AN NEGATIVZINSPOLITIK

Kritisch gaben sich die beiden VR-Präsidenten bezüglich der Negativzinspolitik der Notenbanken. Die derzeitigen Negativzinsen hätten den Charakter einer finanzieller Repression - also einer Umverteilung zwischen Sparern und Schuldnern, sagte UBS-Präsident Weber. Das Geschäftsmodell von Versicherungen und Pensionskassen wird durch Negativzinsen massiv beeinträchtigt. Irgendwann drohten beabsichtigten Wirkungen der Notenbankpolitik von den Nebenwirkungen dominiert zu werden.

Wenn der Zins als Risikosteuerung nicht mehr funktioniere, dann könne es zu Fehlallokationen kommen und schlussendlich zu Finanzmarkt-Blasen, sagte CS-Präsident Rohner. Der Negativzins habe das Ziel nicht erreicht, das Wachstum zu fördern und den Konsum anzukurbeln - dieser dürfte eher zu verstärkter Bargeldhortung führen.

GENUG PLATZ FÜR ZWEI GROSSBANKEN

Das Geschäftsmodell einer diversifizierten Universalbank sei heute wichtiger denn je, zeigte sich Weber überzeugt. Banken mit nur einem Geschäftsfeld hätten ein Problem in der neuen Welt - da die Volatilität und die globale Vernetzung von Schocks heute gestiegen sei. Dennoch steht bei den Modellen beider Banken die Vermögensverwaltung im Zentrum, wie sowohl Weber wie Rohner betonten. Weber zeigte sich dabei kulant gegenüber dem Schweizer Konkurrenten: "Es gibt genügend Vermögende auf der Welt, dass zwei Schweizer Grossbanken und noch eine Menge kleinerer Banken sich darauf konzentrieren können."

Die derzeit rollende Digitalisierungswelle bezeichneten CS-Präsident als eine "ganz grosse Opportunität" für die Banken. Digitalisierung gebe es nicht nur auf der Kundenseite, sondern auch im "Middle" und im "Back Office", betonte er. Allerdings müssten die Änderungen des Kundenverhaltens in Betracht gezogen werden, die heutzutage andere Kanäle nutzten. "Unsere Kunden wollen heute gewisse Dinge selber machen, sie wollen gleichzeitig aber weiterhin auch Zugang zu einem Kundenberater, mit dem sie diskutieren können."

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(AWP)