Signal vom Bondmarkt - Die EZB hat ihre Straffungs-Chance wohl vertan

An den Anleihemärkten des Euroraums wächst die Überzeugung, dass die Europäische Zentralbank ihr Zeitfenster zur Anhebung der Fremdkapitalkosten verpasst haben könnte.
09.02.2019 10:50
Mario Draghi, Präsident der EZB.
Mario Draghi, Präsident der EZB.
Bild: Bloomberg

Die Geldmärkte setzten darauf, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger den Einlagensatz erst im Juni 2020 anheben werden, entgegen der vorherigen Erwartung eines ersten Zinsschritts noch in diesem Jahr. Das treibt eine Rally am Rentenmarkt an, die von deutschen Bundesanleihen über belgische Bonds bis hin zu spanischen Schuldpapieren reicht.

Der EZB-Einlagensatz befindet sich derzeit auf einem Rekordtief von minus 0,40 Prozent. Die Terminkurse legen nahe, dass der Satz die Marke von Null erst etwa zur Jahresmitte 2021 erreichen wird. Die Geldmarktsätze signalisieren zudem, dass die sogenannte Terminal Rate - welche den Höhepunkt im Leitzinszyklus darstellt - bei etwa 0,50 Prozent liegt und dieses Niveau erst 2024 erklimmt.

"Wenn die EZB den Fehler macht, die Zinserhöhungen bis ins Jahr 2020 hinein aufzuschieben, würde das bedeuten, dass die EZB in diesem Zyklus wahrscheinlich überhaupt nicht strafft", sagt Peter Chatwell, Leiter der europäischen Zinsstrategie bei Mizuho International. "Das schafft ein renditegieriges Umfeld."

Die Geldmärkte preisen eine Erhöhung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte nun im Juni 2020 ein. Vor drei Monaten wurde dies noch für September 2019 eskompiert.

Werden deutsche Bundesanleihen negativ?

Am Freitagnachmittag lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von Deutschland bei 0,063 Prozent. Citigroup, NatWest Markets und Mizuho International sehen alle die Chance, dass die Bund-Renditen von Deutschland angesichts des global schwächeren Wirtschaftsumfeldes erstmals seit 2016 auf Null fallen könnten. Die Einkaufsmanagerindizes aus China, Australien, Südkorea, Grossbritannien, Italien und Deutschland waren im Januar allesamt rückläufig.

Jörg Rahn, Investmentchef von Wirtgen Invest, schloss in einem Gespräch mit Bloomberg im vergangenen Monat angesichts der Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung sogar eine negative Rendite nicht aus: "Die Wahrscheinlichkeit für negativen Bundrenditen am langen Ende im ersten Quartal ist hoch. Das kann sogar relativ schnell gehen."

(Bloomberg)