Single Supervisory Mechanism - EZB baut die Bankenaufsicht deutlich aus

Die Europäische Zentralbank will im kommenden Jahr rund 170 Mitarbeiter für die Bankenaufsicht einstellen. Ein Grund ist die zusätzliche Arbeitsbelastung, die der Austritt Grossbritanniens aus der EU mit sich bringt.
26.11.2017 20:01
Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Pixabay

Kreditinstitute, die das Hauptquartier ihres Europageschäfts in Grossbritannien angesiedelt haben, prüfen angesichts des Brexit-Votums Möglichkeiten, Einheiten in der EU einzurichten, um so den Zugang zu diesem Markt zu behalten. Daraus resultiert eine zusätzliche Belastung für die EZB, die seit 2014 die Rolle des Bankenaufsehers für die Kreditinstitute im gemeinsamen Währungsgebiet wahrnimmt.

Weniger als ein Drittel der neuen Stellen sind dabei für den zusätzlichen Aufwand vorgesehen, der im Zusammenhang mit dem Brexit erwartet wird, antwortete eine EZB-Sprecherin via E-Mail auf Fragen von Bloomberg News. Wieviele Mitarbeiter derzeit für den sogenannten Single Supervisory Mechanism (SSM) arbeiten, teilte die Notenbank nicht unmittelbar mit.

"Wir müssen als Aufsicht sicherstellen, dass das Bankensystem auch im Falle eines ungünstigsten Ausgangs der Brexit-Verhandlungen sicher und funktionsfähig bleibt", sagte Korbinian Ibel, Generaldirektor des SSM, am Mittwoch während einer Euroforum-Konferenz in Frankfurt.

«Nicht nur leere Hüllen»

Derzeit seien mehr als 100 Banken mit einer britischen Banklizenz in der EU aktiv, sagte Ibel. Er fügte hinzu, dass er vor dem Hintergrund der Zeit, die die Erteilung einer neuen Lizenz dauere, "ein bisschen überrascht" sei, dass nur knapp die Hälfte der betroffenen Banken die EZB kontaktiert hätten.

Unter der Voraussetzung, dass es bei den Brexit-Gesprächen keine entscheidenden Durchbrüche gibt, werden die global agierenden Banken Anfang kommenden Jahres ihre Umzugspläne umsetzen, um zu garantieren, dass sie zum Zeitpunkt des Austritts über funktionsfähige Büros innerhalb der EU verfügen, sagen mit dem Sachverhalt vertraute Personen.

Die Aufsicht erwarte von Banken, die nach Kontinentaleuropa kommen, dass sie hier Tochterunternehmen etablieren, die voll funktionsfähig seien und "nicht nur leere Hüllen", sagte Ibel. Diese Einheiten müssten eine eigene Governance und ein eigenständiges Risikomanagement vor Ort haben und dürften operativ nicht komplett abhängig von Dritten sein. Dabei gelte selbstverständlich der Grundsatz der Proportionalität: "Je grösser die Operation, desto mehr Personal und Systeme".

(Bloomberg)