Skyguide ist gemäss Chef sicherer und pünktlicher geworden

Der abtretende Skyguide-Chef Daniel Weder ist sich sicher, dass ein Unglück wie in Überlingen vom 1. Juli 2002 nicht mehr passieren kann. Risiken gebe es aber gerade in Zürich immer noch. Weder blickt in zwei Zeitungsinterviews auf seine Zeit als Skyguide-Chef zurück.
25.06.2017 11:29

Daniel Weder wurde 2007 Chef der Flugsicherung Skyguide. Damals war das Unternehmen "generell in einer schwierigen Situation", wie Weder in Interviews mit der "Neuen Zürcher Zeitung" vom Samstag und der "SonntagsZeitung" vom Sonntag sagt.

Einerseits schrieb das Unternehmen jährlich 20 bis 40 Millionen Franken Verlust, andererseits waren das Unglück von Überlingen, bei dem zwei Flugzeuge in der Luft zusammenstiessen und 71 Menschen starben, und die Tötung des Fluglotsen, der am 1. Juli 2002 Dienst hatte, noch sehr präsent.

Seither wurden im Unternehmen die Sicherheitsstandards erhöht und die Pünktlichkeitswerte verbessert. Auch finanziell sei Skyguide heute gut aufgestellt. Weder zeigt sich im Interview mit der "NZZ" denn auch überzeugt, "dass ein Unglück wie in Überlingen nicht mehr passieren kann". Risiken gebe es aber gerade in Zürich immer noch. Das Kernproblem sei, dass sich die Flugzeuge sowohl auf den Pisten als auch in der Luft kreuzten.

Als "sehr wichtig" erachtet der Skyguide-Chef die Fehlerkultur, die ebenfalls seither entwickelt wurde: "Sie bedeutet, dass ein Mensch nicht bestraft werden soll, wenn es keinen Anlass dafür gibt."

Weder erwähnt dabei einen Fastzusammenstoss im Jahr 2012, bei dem ein Lotse zwei Flugzeugen auf sich kreuzenden Pisten fast zeitgleich die Starterlaubnis gab. Das Bezirksgericht hatte den Lotsen freigesprochen, der Staatsanwalt das Urteil aber weitergezogen.

Südstart geradeaus

Im Interview fordert Weder einmal mehr den Südstart geradeaus. Auf absehbare Zeit sehe er keine Alternative dazu. Es sei zynisch zu diskutieren, wo ein Flugzeug am besten abstürzen sollte. "Entscheidend ist, dass wir das System so sicher wie möglich machen."

Wie der 60-Jährige in der "SonntagsZeitung" sagt, befindet sich Skyguide in einem Umbruch, der wohl erst 2023 beendet sein wird. Ziel sei es beispielsweise, dann von Dübendorf ZH aus die heutige Flugsicherung von Genf zu leisten - oder umgekehrt.

Noch offen ist gemäss Weder, wie es bei den Verhandlungen über einen Gesamtsarbeitsvertrag (GAV) mit den Lotsen weiter gehen wird. Der GAV war Anfangs Jahr ausgelaufen, auch eine Mediation hat nicht geholfen. Kürzlich sei den Verbänden ein Vorschlag unterbreitet worden, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen, so Weder.

Mitglied eines Expertengremiums

Daniel Weder trat seinen Job als Skyguide-Chef am 1. Oktober 2007 an. Zuvor war er für die Fluggesellschaften Swissair und SWISS tätig und dabei bei verschiedenen Krisen involviert - sei dies beim Absturz in Halifax oder beim Swissair-Grounding.

Der 60-Jährige wird Skyguide Ende Juni verlassen, wie schon seit Anfang Jahr bekannt ist. Sein Nachfolger wird Alex Bristol, der Leiter des operativen Geschäfts von Skyguide.

Weder wird anschliessend Mitglied eines Expertengremiums, das die europäische Kommission in aviatischen Belangen berät. Was er sonst noch machen will, ist noch offen. Gegenüber der "SonntagsZeitung" sagt er, dass er einiges im Kopf habe, was er noch ausführen möchte.

(AWP)