SNB-Direktionsmitglied Maechler sieht keine Ende der Negativzinsen

Bern (awp/sda) - Die positiven Effekte des Negativzinses überwiegen die negativen. Mit dieser Argumentation verteidigt Andréa Maechler, Direktionsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), das Instrument ein weiteres Mal und sie deutet an, dass sich keine Kehrtwende abzeichnet.
28.08.2016 01:21

Ohne Negativzinsen wäre der Franken deutlich stärker, sagte Maechler im Interview mit dem "SonntagsBlick". Dies hätte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Negativzinsen seien aber weiterhin ein "ausserordentliches Instrument", sagte Maechler weiter. Sie würden aufgehoben, "sobald dies möglich ist".

Maechler lässt allerdings durchblicken, dass die Zinsen wegen des internationalen Umfeldes noch eine Weile unter Null bleiben dürften. Die Finanzmärkte erwarteten in Grossbritannien und in der Eurozone eine weitere Lockerung der Geldpolitik und in den USA gehe die Erhöhung der Zinsen auch nur sehr langsam voran, weshalb die Zinsen auf absehbare Zeit global tief blieben. "So lange dies der Fall ist, hat die SNB kaum Spielraum, die Zinsen zu erhöhen."

Die Schweiz hat laut Maechler aus einem anderen Grund als andere Länder Negativzinsen eingeführt: Während die meisten Länder damit die Nachfrage und die Kreditvergabe stützen wollten, kämpfe die SNB damit gegen den Aufwertungsdruck auf den Franken. "Wir haben keine Kreditklemme. Wir haben die Negativzinsen eingeführt, um die Zinsdifferenz zum Ausland zu erhalten."

Helikoptergeld ein "No-Go"

Eine deutliche Absage erteilt Maechler der unter dem Titel Helikoptergeld bekannten Idee, die Wirtschaft mit der Auszahlung von Geld an Bürger oder den Staat anzukurbeln: "Für die SNB ist das ein NoGo."

Es gebe gute Gründe, warum es in der Schweiz gesetzlich verboten ist, dass die SNB dem Staat Geld gibt. "Auch international setzt sich die Einsicht durch, dass die Geldpolitik bereits sehr viel getan hat. Es ist wichtig, dass auch die Fiskal- und die Strukturpolitik ihren Teil leisten."

(AWP)