SNB-Interventionen und Negativzinsen - Entlastet die Frankreich-Wahl den Franken dauerhaft?

Dank der Wahlchancen von Emmanuel Macron schwächt sich der Franken ab. Die Nationalbank wäre dankbar für einen über längere Zeit nachlassenden Druck auf die Landeswährung. Dazu sind aber weitere Voraussetzungen nötig.
24.04.2017 12:25
Von Marc Forster
Der Euro bewegt sich über die Marke von 1,08 Franken.
Der Euro bewegt sich über die Marke von 1,08 Franken.
Bild: Bloomberg

Das Wechselverhältnis vom Euro zum Franken hat sich seit Bekanntwerden der Wahlresultate in Frankreich am Sonntagabend deutlich zugunsten der Einheitswährung gewandt. Lag das Währungspaar am Freitag noch bei einem Kurs von 1,0675, steigt dieser nun auf 1,0801.

Die Märkte sind derzeit vor allem erleichtert, dass die französische Stichwahl nicht zwischen Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon stattfindet, denn beide sind Eurogegner. In diesem Falle hätte die SNB wohl noch in der Nacht interveniert.

Der Chart seit 1. Januar zeigt den steilen Ansteig im EUR/CHF-Verhältnis über das vergangene Wochenende (Grafik: cash.ch)

Nun sieht es so aus, dass Emmanuel Macron Präsident wird und die Euro-Stärke anhalten kann - sollte nicht Marine Le Pen durch eine Überraschung à la Donald Trump in den Pariser Elysée-Palast einziehen. Der linksliberale EU-Freund Macron führt in Umfragen - die im ersten Wahlgang erstaunlich präzise waren - aber derzeit mit etwa 20 Prozentpunkten vor der national-protektionistischen Kandidatin Le Pen.

Volatilität sinkt

Die Lage an der Währungsfront hat sich tatsächlich entspannt. "In den letzten Wochen hatte ein grosser Teil der SNB-Interventionen mit EU-bezogenen Befürchtungen zu tun", sagt Thomas Flury, Devisenanalyst bei der UBS. Dies habe sich mit den Wahlen abgeschwächt. "Man sieht dies auch an der Ein-Monats-Volatilität im Euro-Franken-Kurs, also gewissermassen den 'Versicherungskosten'". Die Volatilität lag vor dem Wochenende bei 9 Prozent und ist nun auf 5 Prozent gefallen.

Die Unsicherheiten um den politischen Kurs in Frankreich könnten aber wieder grösser werden. Die Parlamentswahlen vom 11. und 18. Juni werden Aufschluss bringen, wie ein Präsident Macron regieren dürfte. Seine eigene Partei "En Marche!" ("Nach vorne!") dürfte aller Ansicht nach keine Mehrheit erlangen. Daher wäre der Ex-Sozialist Macron auf die Zustimmung anderer Parteien angewiesen, um eine Regierung bilden zu können.

Aktuell sieht man die gut konservativen "Les Républicains" als stärkste Kraft im Parlament. Deren Kandidat François Fillon ist zwar aus dem Rennen ausgeschieden - die Partei als solches ist aber für die Parlamentswahlen gut organisiert. Die Stabilität Frankreichs und damit auch der Eurozone hängt unter anderem von den künftigen politischen Konstellationen in Paris ab. Auch die politische Zukunft in Italien dürfte Unsicherheiten mit der Zeit zurückkehren lassen. Was dem Euro hingegen nützt, ist eine anziehende Konjunktur.

Alles in allem: Rücken das Thema Negativzinsen sowie die SNB-Deviseninterventionen aber zumindest für den Moment etwas in den Hintergrund? "Hoffen wir’s", sagt Währungsfachmann Flury. "Es ist aber in der Tat zu erwarten." Seine Euro-Franken-Prognose liegt auf drei Monate gesehen bei 1,08, auf sechs Monate bei 1,12 und auf ein Jahr hinaus bei 1,16. "Wir sehen jetzt deutlich weniger Abwärts- als Aufwärtspotential."