«SNB ist die transparenteste Zentralbank»

Im Video-Interview mit cash beurteilt Fritz Zurbrügg, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank, die Anlagepolitik der Zentralbank und den Zustand der Finanzmärkte.
20.06.2014 11:41
Von Daniel Hügli, Bern
SNB-Direktor Fritz Zurbrügg im Interview mit cash.
Bild: cash

Im Jahr 2005 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) damit angefangen, Ihr Portfolio zu diversifizieren und Aktien zu kaufen. Der Anteil der Dividendenpapiere hat sich seither stets vergrössert und beträgt derzeit rund 15 Prozent des Anlagebestandes oder über 70 Milliarden Franken. Die Aktien trugen wegen des guten letzten Börsenjahres fast 14 Milliarden Franken zum Jahresergebnis der SNB bei.

"Wir haben im letzten Jahr das Aktienuniversum insofern ausgebaut, indem wir nun in allen Industrieländern investiert sind und auch mehr in Small-Caps angelegt haben", sagt Fritz Zurbrügg im cash-Video-Interview anlässlich der SNB-Sommermedienkonferenz am Donnerstag. Zurbrügg ist Direktoriumsmitglied der SNB und Leiter des Dritten Departements des Zentralbank, welches auch für die Beurteilung der Finanzmärkte zuständig ist.

Die SNB sieht sich als langfristiger Investor: "Wenn wir entscheiden, in eine Anlagekategorie zu investieren, passiert dies mit dem Ziel, dass wir einen ganzen Zyklus durchstehen können. Das ist unsere langfristige Anlagestrategie", so Zurbrügg weiter. Ob die SNB ihren Aktienbestand nun weiter ausbauen will, lässt Zurbrügg im cash-Interview offen.

Die SNB ist heute in 6000 Titel in über zehn Währungen investiert. Das Aktienuniversum deckt etwa 90 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ab. Die SNB investiert passiv, dass heisst sie bildet Aktienindizes ab, wobei zwecks Vermeidung von Interessenkonflikten sowohl nicht in mittlere und grosse Banken wie auch nicht in Schweizer Aktien investiert wird.

"Das ist abgeschlossen für uns"

Obwohl die SNB nicht zu Einzeltiteln Stellung nimmt, tröpfeln immer wieder Mutationen der Aktienengagements der Nationalbank an die Öffentlichkeit. Dies vor allem durch die Pflichtmitteilungen an die US-Wertpapieraufsicht SEC. So wurde im Mai bekannt, dass die SNB den Anteil an Apple-Aktien um 10 Prozent reduziert hat oder denjenigen an Exxon Mobil um 8 Prozent. Durch die gleiche Stelle wurde vor rund einem halben Jahr auch bekannt, dass die SNB in Aktien investierte, die auf schwarzen Listen von internationalen Organisationen sind, etwa Streubombenhersteller.

Zurbrügg verneint die Frage, ob die SNB nicht offener über ihre Anlagepolitik informieren müsse. "Wir sind die transparenteste Zentralbank bezüglich Anlagepolitik", sagt er im Video-Interview. Immerhin hat die SNB im Januar unüblich schnell reagiert und beschlossen, auf Aktien von Unternehmen zu verzichten, die international geächtete Waffen produzieren, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen.

Ob diese dubiosen Aktien mittlerweile nun definitiv abgestossen wurden, wollte Zurbrügg gegenüber cash nicht eindeutig sagen, nur soviel: "Wir haben den Entscheid gefällt, das ist abgeschlossen für uns". Es handle sich um eine kleine Gruppe von Unternehmen.

Volatilität ist tief

Einigermassen beruhigt blickt der SNB-Direktor auf die Finanzmärkte. Zurbrügg sieht eine grundsätzlich positive Anlegerstimmung. Wegen der geldpolitischen Lockerungsmassnahmen der EZB hätten sich am Bond-Markt die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Staatsanleihen zurückgebildet.

Von Nervosität an den Bond-, Aktien- und Devisenmärkte sei derzeit kaum etwas zu spüren. "Bei den Volatilitätsindikatoren, die auch immer Hinweise zur Unsicherheit liefern, sehen wir derzeit beinahe schon historische Tiefststände. Das ist ein gutes Zeichen, die Märkte fühlen sich ruhig", so Zurbügg. Je länger die tiefe Volatilität und damit auch die Renditeaussichten jedoch andauerten, bestehe die Gefahr, dass Investoren in risikoreichere Anlageklassen gingen.

Zum Video mit Fritz Zurbrügg gehts hier.