SNB-Jordan: «Das ist eine sehr schwierige Situation»

Im cash-Video-Interview fordert SNB-Präsident Thomas Jordan die Banken und Behörden auf, sich Massnahmen gegen eine drohende Immobilienblase zu überlegen. Und er sagt, dass Negativzinsen von Banken sinnvoll sein können.
13.12.2012 14:00
Von Daniel Hügli, Bern
SNB-Direktoriumspräsident Thomas Jordan im Interview mit cash.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank behält den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufrecht und will an ihrer Nullzinspolitik auch im neuen Jahr nichts ändern. Das gab die SNB an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag in Bern bekannt.

Die SNB befindet sich mit ihrer Zinspolitik nicht erst in diesem Jahr in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite muss sie mit Tiefstzinsen die Attraktivität des Frankens als Fluchtwährung minimieren. Auf der anderen Seite erhöhen kaum vorhandene Zinsen die Gefahren einer Immobilienblase in der Schweiz.

"Das ist eine sehr schwierige Situation", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Video-Interview in Bern. "Die kurzfristigen Zinsen müssen sehr tief bleiben. Das führt dazu, dass es sehr attraktiv ist, Hypothekarkredite zu vergeben," so Jordan.

Die SNB weise auf die Risiken einer Blasenbildung hin, sagt Jordan weiter. "Es ist wichtig, dass sich die Banken dessen bewusst sind. Auch die Behörden sollten sich überlegen, welche Massnahmen möglich sind, dass die Risiken einer Blasenbildung reduziert werden können," so Jordan.

Gebühren auf Franken-Anlagen

Der Immobilienblasenindex der UBS war im dritten Quartal in die Risikozone vorgedrungen. Die Bank bezeichnete diesen Trend als «gefährlich». Denn der Index stieg erstmals seit der Immobilienblase in den 90er- Jahren wieder in einen bedenklichen Bereich.

Die SNB müsse in der Schweiz monetäre Bedingungen schaffen, welche auch für die einheimische Wirtschaft adäquat seien, so Jordan weiter zur Zinspolitik. Doch trotz der Nullzinspolitik bleibt die Attraktivität des Frankens als Fluchtwährung hoch. Die Grossbanken UBS und Credit Suisse haben, um übermässige Geldzuflüsse von ausländischen Banken einzudämmen, Negativzinsen für Guthaben auf sogenannten Cash-Clearing-Konten angekündigt. Die Massnahme führte in den letzten Tagen zu einer leichten Abschwächung des Frankens.

Jordan wollte sich nicht dazu äussern, ob die SNB sanften Druck auf die Banken ausgeübt hat. Er steht den Massnahmen der Banken aber durchaus positiv gegenüber, wie er durchblicken lässt. "Die Gebühren, welche die Banken auf Franken-Anlagen einführen, sind eine Konsequenz der sehr hohen Liquidität, die auf dem Schweizer-Franken-Markt vorhanden ist. Das führt zu hohen Bilanzen bei den Banken", so Jordan im cash-Interview. Wenn man diese Bilanzen reduzieren wolle, könne dies dazu führen, dass solche Massnahmen sinnvoll seien.

Der Franken hatte sich Anfang September von seinem monatelangem Festkleben an der Euro-Untergrenze von 1,20 gelöst, nachdem die EZB ihren Willen zu unbegrenzten Käufen von Staatsanleihen bekannt gegeben hatte. "Das ist ein sehr wichtiges Instrument der Europäischen Zentralbank. Aber es gibt nach wie vor sehr viele Unsicherheiten im europäischen Währungsraum", so Jordan zu cash.

 

Im cash-Video-Interview äussert sich Thomas Jordan auch zum SNB-Wirtschaftsausblick 2013 für die Schweiz, zur Gefahr eines Währungskrieges und zur Frage, wie er die letzten 12 Monate der SNB erlebt hat.