SNB-Jordan: Grexit ist «ein grosses Risiko»

Die Schweizerische Nationalbank rechnet mit einer Lösung im Fall Griechenland. Falls dies nicht gelinge, müsse man mit Erschütterungen am Finanzmarkt rechnen, sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Video-Interview.
18.06.2015 13:44
Von Daniel Hügli, Bern
SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Video-Interview in Bern.
Bild: cash

Noch immer ist für das Griechenland-Schuldenproblem in der Eurozone keine Lösung in Sicht. Die Hängepartie um das krisengeplagte Land belastet die Finanzmärkte wieder seit Tagen. Öl ins Feuer goss am Donnerstag der lettische Finanzminister Janis Reirs, der die Möglichkeit eines Staatsbankrotts und Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone für "sehr gross" hält. Die Minister der Eurozonen-Länder seien nicht bereit, griechischen Ultimaten nachzugeben, sagte er.

Genau beobachtet wird die Situation auch von der Schweizerischen Nationalbank. Denn ein Grexit, ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone, würde den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken massiv erhöhen.

"Ein Grexit ist kein Hauptszenario für uns. Wir gehen davon aus, dass es eine Lösung geben wird", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im Video-Interview mit cash anlässlich der vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung der Nationalbank in Bern. 

Die Lage rund um Griechenland sei aber ein "grosses Risiko", so Jordan. "Man kann nicht ausschliessen, dass es zu einem Unfall oder zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone kommt. Dann muss man mit Erschütterungen am Finanzmarkt rechnen", so Jordan weiter zu cash.

Gift für Schweizer Wirtschaft

Eine weitere Aufwertung der Schweizer Währung wäre Gift vor allem für die Schweizer Exportindustrie. Dabei hatte die SNB im Januar mit der Abschaffung der Kursuntergrenze Negativzinsen auf den Girokonti der Nationalbank eingeführt, um den Franken für Anlagen unattraktiver zu machen. Der Negativzins von minus 0,75 Prozent wurde am Donnerstag von der SNB bestätigt.

Der Franken ist aber nach wie vor stark und weit entfernt von einem Kurs von 1,10 Franken pro Euro, der von vielen Exporteuren als einigermassen akzeptabel beurteilt wird. Dennoch zieht Jordan ein positives Zwischenfazit nach fast einem halben Jahr Strafzinsen.

"Wir sind sehr, sehr zufrieden mit dem Instrument Negativzinsen", sagt Jordan zu cash. Das Instrument sei wichtig, um "über die Zeit" eine Abschwächung der Frankens zu erreichen. "Selbstverständlich hat es noch andere Störungen auf dem Markt wie zum Beispiel Griechenland", die sich auf den Frankenkurs auswirkten.

Jordan betont im cash-Interview, wie eine Schweizer Welt ohne Negativzinsen aussähe. "Wenn wir die Negativzinsen nicht hätten, sondern einen Zins von vielleicht Null, dann wäre die Attraktivität des Franken noch höher." Das Instrument wirke genau so, wie das die SNB erwartet hatte. "Die Zinsdifferenz zum Ausland konnte vergrössert werden, die Kapital- und Geldmarktsätze in der Schweiz sind gesunken." Der Franken hat sich zwar von den Extremwerten unmittelbar nach der Mindestkursaufhebung gelöst, liege aber immer noch rund 12 Prozent über dem Wert von Anfang Jahr, rechnete die SNB am Donnerstag vor. 

Ausführlichen Negativzins-Rechtfertigungen

Die ausführlichen Negativzins-Rechtfertigungen der SNB haben ihren Grund. Wegen der Einführung der Negativzinsen kommt die SNB in der Schweiz nämlich immer stärker unter Beschuss. Die Strafzinsen setzten falsche Anreize für Investitionsentscheide, bestraften Sparer, Versicherer und Pensionkassen und sie erhöhten die Gefahr von Blasenbildungen beispielsweise am Aktien- und Immobilienmarkt, so die Argumente. 

Kaum jemand war davon ausgegangen, dass die SNB am Donnerstag die Negativzinsen noch ausweiten würde. Aber womöglich will sich die SNB die Option einer weiteren Zinssenkung für eine Eskalation der Griechenlandkrise vorbehalten.

Im cash-Video-Interview äussert sich Thomas Jordan auch zu den Konjunkturaussichten in der Schweiz, zu einem IWF-Vorschlag an die SNB und darüber, ob ihn die Ratschläge und Belehrungen von aussen auch manchmal nerven.