SNB-Jordan: Negativzinsen zeigen Wirkung

Die Negativzinsen in der Schweiz bleiben vorläufig unverändert, weil sie laut Nationalbank bereits Wirkung beim Franken zeigen. Die Schweizer Währung reagiert nur schwach auf den Zins-Entscheid der SNB.
10.12.2015 11:08
Von Daniel Hügli, Bern
Im Rampenlicht: Thomas Jordan, Direktoriumspräsident Schweizerische Nationalbank.
Im Rampenlicht: Thomas Jordan, Direktoriumspräsident Schweizerische Nationalbank.
Bild: Bloomberg

Die Leitzinsen in der Schweiz bleiben bei minus 0,75 Prozent. Das gab die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung in Bern bekannt. 

Experten hatten erwartet, dass die Nationalbank an ihrem Status Quo festhalten werde und keine Verschärfung des Kurses beschliesse. Nachdem die Europäische Zentralbank letzte Woche sagte, dass sie ihre künftige Geldpolitik weniger offensiv angehen will, verminderte sich der Aufwertungsdruck auf den Franken.

"Der Franken ist trotz einer gewissen Abschwächung in den letzten Monaten nach wie vor deutlich überbewertet", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan an einer Meidenorientierung. Der Negativzins und die Zinsdifferenz zum Ausland machten den Franken weniger attraktiv und trügen weiterhin zu seiner Abschwächung bei.

Die SNB bekräftigte überdies ihre Bereitschaft, an den Devisenmärkten zu intervenieren. Der Franken wertete sich nach dem SNB-Zinsentscheid kurz auf 1,08 zum Euro auf, notierte dann aber wieder auf dem Niveau von 1,0830 vor dem Zinsentscheid.

Nach Einschätzung der Schweizerischen Nationalbank SNB hat die Zinsdifferenz zur EZB trotz deren jüngster Zinssenkung weiterhin Bestand. Die Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und dem Ausland sei immer noch deutlich höher als zu Jahresbeginn, sagte SNB-Chef Thomas Jordan am Donnerstag auf der Pressekonferenz laut Redetext. Direktoriumsmitglied Andrea Maechler sagte, der bestehende Negativzins entfalte seine Wirkung gut. 

Konjunkturentwicklung unverändert

Bezüglich Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr bestätigt die SNB ihr Einschätzung vom letzten September: Sie rechnet für 2015 unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von "knapp 1%". Für 2016 gibt sie erstmals eine Prognose ab und sagt ein Plus von "rund 1,5%" vorher.

Mit der allmählichen Belebung der weltweiten Konjunktur dürfte sich die Auslandnachfrage nach Schweizer Waren und Dienstleistungen weiter festigen, heisst es dazu. Auch die Binnennachfrage dürfte robust bleiben. Insgesamt hat die Nationalbank ihre globale Wachstumsprognose für die kurze Frist aber leicht nach unten angepasst, beurteilt die weltwirtschaftlichen Aussichten aber "vorsichtig optimistisch".

Die Inflationsprognosen haben sich gegenüber Juni September leicht verändert. Für 2015 erhöht die Nationalbank ihre Inflationsprognose auf -1,1% von -1,2%. Für 2016 wird die Inflation weiter bei -0,5% und für 2017 bei +0,3% (alt: +0,4%) gesehen.

Weiter hält die SNB fest, dass sich das Wachstum der Hypothekarvolumen und der Immobilienpreise für selbstgenutztes Wohneigentum in den letzten Monaten etwa im Einklang mit den Fundamentalfaktoren entwickelt habe. Entsprechend seien die Ungleichgewichte auf diesen Märkten unverändert geblieben. Die Währungshüter würden die Entwicklungen auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin aufmerksam beobachten und in diesem Zusammenhang regelmässig prüfen, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden müsse, so die Mitteilung weiter.

(Mit Material von AWP und Reuters)