SNB-Jordan tritt Spekulationen am Devisenmarkt entgegen

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, widerspricht im cash-Video-Interview Mutmassungen, wonach die SNB den Franken gegenüber dem Euro stärker werden lässt.
15.12.2016 14:03
Von Daniel Hügli, Bern
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.
Bild: cash

Brexit, US-Wahlen, Referendum in Italien. 2016 sorgte die Politik für etliche Verwerfungen an den Märkten. Diese forderten auch die SNB heraus, indem sich der Franken gegenüber dem Euro vor allem nach dem Brexit-Votum aufwertete. Im Juni gab die SNB denn auch zu, dass sie beim Brexit an den Märkten intervenierte, um ein weiteres Erstarken des Frankens zu verhindern.

Dennoch notierte das Währungspaar Euro/Franken im Oktober und November (und auch jetzt wieder) lange Zeit unter der Marke von 1,08, die von den Märkten gerne als inoffizielle Kursuntergrenze der SNB angesehen wird. Was Spekulationen hervorrief, dass die SNB den Franken gegen den Euro schleichend aufwerten lässt.

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, widerspricht den Mutmassungen im Video-Interview mit cash.ch vehement. "Diese Spekulationen stimmen nicht, wir haben auch nie einen Kurs fest vorgegeben". Die Geldpolitik der SNB habe sich überhaupt nicht geändert, so Jordan im cash-Interview im Anschluss an die SNB-Medienkonferenz am Donnerstag in Bern (Bild unten: Thomas Jordan im Video-Interview mit cash-Chefredaktor Daniel Hügli).

Die Spekulationen entstanden vor allem deshalb, weil wegen die SNB wegen des Erstarkens des US-Dollar - gegenüber dem Franken befindet er sich auf einem 13-Monate-Hoch - nun einen stärkeren Franken tolerieren könnte. Und die Spekulationen hielten sich am Donnerstag, weil die SNB (wie auch Jordan im cash-Video-Interview) erstmals bemerkte, dass man bei den Devisenmarktinterventionen die "gesamte Währungssituation berücksichtigt". Allerdings reagierte der Devisenmarkt am Donnerstag kaum auf die Anmerkungen der SNB.

Andreas Ruhlmann, Marktanalyst bei IG Switzerland, erwartet gar, dass die SNB den Euro-Franken-Kurs auf 1,05 bis 1,03 sinken lassen könnte, solange es eine langsame und allmähliche Bewegung ist. Denn die SNB sollte durch einen schwächeren Franken gegenüber dem US-Dollar entlastet werden.

"Dollar-Stärke ist positiv"

Jordan sieht im cash-Interview durchaus die Vorteile einer Dollar-Aufwertung: "Es ist sicher positiv, wenn der Dollar ein bisschen stärker ist. Das reflektiert einerseits die gute Wirtschaftssituation in den USA, andererseits aber auch die Geldpolitik, die etwas restriktiver geworden ist." Ein aufgewerteter "Greenback" macht die Schweizer Exporte in den Dollarraum (USA, Asien) günstiger. Rund ein Drittel der Schweizer Exporte gehen in diesem Raum, wohingegen rund zwei Drittel in den Euroraum gehen. Jordan selber will sich zum weiteren Verlauf des Dollar im cash-Interview nicht äussern.

Die Herausfroderungen für die SNB werden sich im nächsten Jahr sicher nicht verringern. Es stehen Wahlen an in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sowie die tatsächliche Brexit-Auslösung der Briten. Das dürfte 2017 zu einem Jahr mit erhöhter Unsicherheit machen mit entsprechenden möglichen Turbulenzen an den Märkten.

"Wenn es Unsicherheiten gibt, dann wirkt sich dies auf das Wachstum aus und möglicherweise auch auf die Geldpolitik. Das würde die Situation für uns eher erschweren", sagt Jordan zu cash. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, dass die politische Situation in Europa stabil bleibt."

Im cash-Video-Interview äussert sich Thomas Jordan auch zu den gestiegenen Renditen an den Kapitalmärkten und zur möglichen neuen US-Wirtschaftspolitik.