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SNB kopiert die EZB - mit Erfolg?

Die Schweizerische Nationalbank führt Negativzinsen auf Frankenguthaben ein. Sie kopiert damit Massnahmen der Europäischen Zentralbank. Die Erfolgssaussichten sind ungewiss.
18.12.2014 12:33
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Immer wieder hatte man in diesem Jahr das Gefühl, die Schweizerische Nationalbank drücke sich um klare Statements in Sachen Negativzinsen. Selten stand das Wort als Drohung in den Communiqués zu den geldpolitischen Lagebeurteilungen. An den Medienorientierungen musste oft gefragt werden, ob die SNB Negativzinsen nun zur Schwächung des Frankens einzuführen gedenke. Ein Instrument, mit dem Zentralbanken auch international kaum Erfahrungswerte haben.

Nun ist es also soweit. Ab 22. Januar zahlen die Banken, die Guthaben von mehr als 10 Millionen Franken auf den SNB-Girokonten halten, einen Strafzins in Höhe von minus 0,25 Prozent. Damit soll das Halten von Frankenanlagen weniger attraktiv gemacht und der Mindestkurs der SNB gestützt werden.

Offenbar wurde der Druck auf den Mindestkurs von 1,20 in den letzten Tagen aufgrund der Verwerfungen an den Märkten immer grösser. Und offenbar hat auch die SNB gesehen, dass ihre Interventionen an den Devisenmärkten in den letzten Tagen wenig genützt haben.

Bleibt die Frage, ob die Negativzinsen den Aufwertungsdruck vom Franken nehmen. Dahinter kann man grosse Fragezeichen setzen. Das zeigt schon die unmittelbare Reaktion des Frankenkurses am Donnerstagmorgen. Die Schweizer Währung schwächte sich nicht einmal auf eine Marke von über 1,2100 ab. Das ist eine enttäuschende erste Ausbeute. Und auch ein Zeichen dafür, dass die Märkte mit dem SNB-Schritt gerechnet hatten - wenn auch nicht heute. Der Franken bewegte sich in einer zweiten Reaktion gar wieder in Richtung Kursuntergrenze.

Als Vorbild kann die Europäische Zentralbank nicht dienen. Sie führte bereits im letzten Jahr zur Schwächung des Euros und zur Ankurbelung der Kreditvergabe durch Banken einen Negativzins von 0,2 Prozent im Euroraum ein. Sie war nicht erfolglos damit. Mit der Folge, dass in Deutschland einige Banken die Negativzinsen der EZB bereits auf ihre Grosskunden abwälzen.

Doch die Lage beim Franken ist eine andere. Er ist eine klassische Fluchtwährung, stark gesucht in turbulenten Zeiten an den Märkten. Man darf davon ausgehen, dass die Banken gleich reagieren wie Sparer, wenn sie mit einem Strafzins konfrontiert würden: Die bittere Pille schlucken, aber das Geld in Sicherheit wähnen.