SNB lässt Negativzinsen unverändert

Die Schweizerische Nationalbank hält am geldpolitischen Kurs fest und will den Franken weiterhin mit Negativzinsen schwächen.
17.09.2015 12:00
Von Daniel Hügli
Die Schweizerische Nationalbank am Bürkliplatz in Zürich.
Die Schweizerische Nationalbank am Bürkliplatz in Zürich.
Bild: cash

Das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor bleibt bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Die Sichteinlagen der Banken bei der SNB verharren weiterhin bei minus 0,75 Prozent. Das gab die SNB an ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstagmorgen bekannt. Der SNB-Entscheid war im Markt erwartet worden.

Parallel zur Aufgabe des Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro hatte die SNB Mitte Januar ihre Leitzinsen auf Rekordtiefs heruntergeschraubt. Da sich der Franken seit Ende Juni um mehr als 5 Prozent gegenüber dem Euro abgeschwächt hat, steht die SNB derzeit unter wenig Handlungsdruck.

"Trotz einer leichten Abschwächung bleibt der Franken insgesamt immer noch deutlich überbewertet. Die negativen Zinsen in der Schweiz und die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu sein, machen Anlagen in Franken weniger attraktiv. Beides dient dazu, den Druck auf den Franken abzuschwächen", schreibt die SNB in einer Mitteilung am Donnerstagmorgen.

Der Franken ist nach dem SNB-Entscheid gegenüber dem Euro nahezu unverändert und handelt bei 1,0960.

EZB grösstes Risiko

"Das grösste Risiko für die SNB ist künftig, dass die EZB ihr Programm (zum Ankauf von Wertpapieren) ausdehnt", sagte Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin, zu Reuters. Wann immer die europäischen Währungshüter ihre Geldpolitik lockern und den Euro schwächen, stehe die SNB unter Druck nachzuziehen. Die EZB hatte in der Vorwoche das Tempo ihrer Anleihenkäufe forciert und kann die Geldspritzen zur Stärkung der Konjunktur nach Ansicht ihres Vizechefs Vitor Constancio noch ausweiten.

Die Nationalbank rechnet mit einer allmählichen Belebung der Wirtschaftstätigkeit in der Schweiz in der zweiten Jahreshälfte. Die Binnennachfrage dürfte die Wirtschaftsentwicklung auch künftig stützen. "Bei einer weiteren Verbesserung des internationalen Umfelds und einer abnehmenden Überbewertung des Schweizer Frankens sollte auch die Exporttätigkeit wieder stärker zum Wirtschaftswachstum beitragen", so die SNB. Für das laufende Jahr rechnet die Nationalbank nach wie vor mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts von knapp 1 Prozent.

Die Inflationsprognosen der Schweiz haben sich gegenüber Juni leicht verändert. Für 2015 senkt die Nationalbank ihre Inflationsprognose auf -1,2 Prozent von -1 Prozent. Für 2016 wird die Inflation bei -0,5 Prozent gesehen (alt: -0,4 Prozent) und für 2017 bei +0,4 Prozent nach +0,3 Prozent.

Die globale Wirtschaftslage bleibt nach Ansicht der SNB fragil. "Insbesondere hat die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung in China spürbar zugenommen", erklärte die SNB. Zudem könnten erneute Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten die Geldpolitik weltweit stark beeinflussen.