SNB: «Marschhalt» bei Bankenregulierung

Aus SNB-Sicht zahlt sich die strenge Haltung gegenüber der Finanzbranche aus. SNB-Vize Fritz Zurbrügg äussert sich im cash-Video-Interview zum Zustand des Schweizer Bankensystems und zum weiteren Verlauf der Regulierung.
11.12.2015 09:26
Von Marc Forster
Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank.
Bild: cash

"Die Grossbanken haben klar Fortschritte gemacht bei den Kapitalanforderungen", sagt Fritz Zurbrügg, Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums der Schweizer Notenbank und Stellvertreter von SNB-Präsident Thomas Jordan, im cash-Video-Interview. Mit der Too-Big-To-Fail-Gesetzgebung der Schweiz sind auch schon lange erhobene Forderungen der SNB bezüglich der Leverage Ratio gehört worden, wie der SNB-Verantwortliche für die Bankenregulierung weiter sagt.

Die ungewichtete Eigenkapitalquote, genannt Leverage Ratio, gilt für die Regulatoren als wichtige Kenngrösse für die Kapitalsolidität grosser Institute. Im Oktober hatte der Bundesrat bekannt gegeben, dass die Leverage-Ratio für die  Grossbanken von 3,1 auf 5 Prozent erhöht werden solle.

Vertrauen und Solidität

Die Leverage Ratio der UBS beträgt nach dem dritten Quartal 3,9 Prozent und jene der Credit Suisse 3,7 Prozent. Die Leverage Ratio soll den Bankensektor vor einer übermässigen Verschuldung bewahren. Sie setzt die ungewichtete Bilanzsumme ins Verhältnis zum regulatorischen Eigenkapital.

Die Grossbanken haben diese Regulierungsverschärfungen mit Murren entgegengenommen. Zudem gab es zeitweise negative Einflüsse auf den Aktienkurs der beiden Institute, als neue Kapitalanforderungen diskutiert wurden. Solidität und Vertrauenswürdigkeit der Grossbanken seien aber klar erhöht worden, hält Zurbrügg im Gespräch mit cash fest.

Die Banken selber messen ihre Kapitalstärke anhand der Kernkapitalquote. Während die UBS schon seit längerem mit 14,3 Prozent Kernkapitalquote eine vergleichsweise kapitalstarke Bank ist, hat sich nun auch die Credit Suisse mit derzeit 10,2 Prozent unter neuer Führung dazu entschlossen, ihre Polster zu stärken. Dies stösst bei der SNB auf Zuspruch.

«Ruhe ins System bringen»

Zurbrügg erwartet zugleich für 2016 einen Abschluss der Phase der Regulierung, wie sie durch die Finanzkrise von 2007 bis 2009 angestossen wurde. "Es besteht wirklich die Idee, nun etwas Ruhe ins System zu bringen." Es werde 2016 noch einige weitere Massnahmen geben, aber dann sei klar der Moment für einen "Marschhalt" gekommen, sagt der SNB-Vize.

Die Schweizer Banken, die vor allem aufs inländische Geschäft ausgerichtet sind, hätten keine Probleme mit der Kapitalausstattung, sagt Zurbrügg weiter. Die Kantonal- und Regionalbanken hatten indessen vor allem den Argwohn der SNB geweckt, weil sie dank tiefer Zinsen ihre Hypothekarbestände in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut haben. Häufig warnte die SNB-Führung vor einer Immobilienblase. Neben UBS und CS gelten mittlerweile auch die Zürcher Kantonalbank, die Raiffeisen-Gruppe sowie die Postfinance wegen der Grösse ihrer Bilanzen beziehungsweise deren grossen Kundenbasis als systemrelevante Banken.

Lob, aber keine Entwarnung bei Hypotheken

Zurbrüggs Urteil über die kleineren Schweizer Banken fällt mittlerweile milder aus: "Wir stellen fest, dass die Preisdynamik zurückgegangen ist, wir sehen nicht mehr die Preissteigerungen, die es noch vor ein paar Jahren gegeben hat." Dazu sei auch die Hypothekarkredit-Vergabe zurückgegangen. "Die Dynamik, welche zur Erhöhung der Risiken geführt hat, ist zurückgegangen."

Verschiedene Massnahmen, welche den hypothekenvergebenden Banken auferlegt wurden, zeigten nun eine Wirkung. Die Schweiz hat im Februar 2013 den antizyklischen Kapitalpuffer eingeführt, um eine allzu sorglose Wohnkreditvergabe etwas einzudämmen. Derzeit verlangt er 2 Prozent an zusätzlichen Eigenmitteln für Wohnbauhypotheken. Laut einer Studie mussten vor allem schwächer kapitalisierte Banken ihre Hypothekarzinsen stärker anheben als jene mit einem dickeren Kapitalkissen. Dies entspricht durchaus den Vorstellungen der Regulatoren.

Die Gefahr einer Immobilienblase ist aus SNB-Sicht dennoch nicht vorbei. Von einer Entwarnung an der Hypothekar-Front könne auch keine Rede sein, warnt Zurbrügg. "In einem Tiefzins-Umfeld gibt es natürlich eine Tendenz, die Risiken wieder zu erhöhen, etwa um die Marge zu erhöhen."

Im cash-Video-Interview äussert sich Fritz Zurbrügg auch zur Wirkungsweise der SNB-Negativzinsen sowie zu den Käufen von Anleihen und Aktien aus Schwellenländern, zu denen die Schweizer Währungshüter übergegangen sind.