SNB warnt vor Abwärtsrisiken für Wirtschaft

An der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank ändert sich vorerst nichts. SNB-Präsident Thomas Jordan warnt vor möglichen Enttäuschungen an der Konjunkturfront.
19.06.2014 10:33
Von Daniel Hügli, Bern
Sitz der SNB in Zürich.
Sitz der SNB in Zürich.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) behält das Zielband für den Dreimonats-Libor zwischen 0 und 0,25 Prozent. Auch die Franken-Kursuntergrenze zum Euro von 1,20 hat weiterhin Bestand. Das gab die SNB anlässlich ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung in Bern bekannt.

In den kommenden Quartalen dürfte sich laut SNB die moderate Konjunkturerholung fortsetzen. Die Erholung bleibe jedoch zögerlich und die internationale Konjunkturentwicklung werde auch in den kommenden Quartalen im historischen Vergleich verhalten bleiben. Gefahren sieht die SNB bei aktuellen geopolitischen Konflikten, den Konsolidierungsdruck bei den öffentlichen Finanzen in der Euro-Zone und die Strukturprobleme in verschiedenen Ländern stärker als erwartet gedämpft werden.

"Die Abwärtsrisiken bleiben erheblich", warnte SNB-Präsident Thomas Jordan an einer Medienorientierung in Bern. Eine schwächere Entwicklung der Weltwirtschaft würde auch die Schweiz treffen. Die Prognose der SNB für das reale Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) im Jahr 2014 lautet unverändert auf "rund 2 Prozent".

Der Franken ist laut SNB nach wie vor hoch bewertet. Bei einem Dreimonats-Libor nahe Null bleibe der Mindestkurs das angemessene Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen zu verhindern, falls der Aufwertungsdruck auf den Franken wieder zunehmen sollte, so die SNB weiter.

EZB im Auge

"Wir werden den Mindestkurs weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen", sagte Jordan. Zu diesem Zweck sei sie bereit, wenn nötig unbeschränkt Devisen zu kaufen.

Die SNB beobachte die Auswirkungen der jüngsten Zinssenkungen in der Euro-Zone auf die Schweiz sehr genau, erklärte Jordan weiter. "Sollte sich ein Handlungsbedarf ergeben, wird die Nationalbank die nötigen Maßnahmen ergreifen."

Damit die Euro-Länder nicht in eine ruinöse Spirale sinkender Preise, fallenden Konsums und rückläufiger Investitionen rutscht, hatte die EZB am 5. Juni ihren Leitzins auf rekordniedrige 0,15 Prozent gekappt. Um die Kreditklemme in vielen Krisenländern im Süden der Währungsunion aufzubrechen, erhebt die EZB künftig zudem einen Strafzins von 0,10 Prozent von Banken, die Geld lieber bei ihr parken als es an Firmen und Haushalte weiterzugeben.

Franken leicht stärker

Die SNB hatte im September 2011 einen Mindestkurs zum Euro bei 1,20 Franken festgesetzt. Damit wollte sie die Schweizer Wirtschaft vor Deflation und Rezession schützen, nachdem der Franken zum Euro fast auf Parität geklettert war. Wegen der europäischen Schuldenkrise hatten sich viele Marktteilnehmer seinerzeit in den Franken geflüchtet.

"Die Marktteilnehmer haben im Laufe der letzten drei Jahre gelernt, dass die SNB 100-prozentig entschlossen ist, den Deckel zu verteidigen”, sagte Timo Klein, ein Ökonom von IHS Economics, vor dem Zinsentscheid gegenüber Bloomberg. "Es gibt also wenig Anreiz für die Finanzmärkte, die Entschlossenheit der SNB wieder einmal zu testen."

Der Franken wertete sich nach dem SNB-Zinsentscheid am Donnerstag leicht auf und notiert bei 1,2071 zum Euro. Gegen den Dollar steht der Franken bei 89,42 Rappen.

Tiefere Teuerung für 2015

Die bedingte Inflationsprognose zeigt laut Angaben der SNB einen mittelfristig verringerten Teuerungsdruck, kurzfristig aber einen etwas höheren. Für 2014 wird neu eine Jahresteuerung von 0,1 Prozent vorausgesagt, die Märzprognose lag bei 0 Prozent. Für 2015 prognostiziert die SNB eine etwas geringere Jahresteuerung von  plus 0,3 Prozent (alt: plus 0,4 Prozent), für 2016 sind es  plus 0,9 (1,0 Prozent) sein, dies jeweils bei unveränderter Geldpolitik.

Bezüglich der Lage am Hypothekar- und Immobilienmarkt heisst es: Auch wenn sich die Dynamik leicht abgeschwächt habe, liessen sich bisher keine Anzeichen für eine nachhaltige Beruhigung feststellen. Die SNB beobachte die Entwicklung aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden solle.

(Mit Material von AWP)