SNB-Zurbrügg: «Höhere Kapitalmarkt-Zinsen sind gut für Immobilienmarkt»

Steigende Hypothekarzinsen wirken aus Sicht von SNB-Vizedirektor Fritz Zurbrügg Verzerrungen am Immobilienmarkt entgegen. Dazu brauche es aber weiterhin disziplinierte Hypothekarbanken, fordert der Währungshüter.
15.12.2016 23:00
Von Marc Forster
SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg im Video-Interview mit cash.ch in Bern.
Bild: cash

An den Anleihenmärkten steigen die Zinsen: Nachdem die Schweizer Bundesobligationen mit zehn Jahren Laufzeit im Sommer noch eine Minusrendite von 0,6 Prozent gezeigt hatten, rückten sie Anfang Woche zum ersten Mal seit September 2015 in den positiven Bereich. Die Zehn-Jahres-Anleihen der USA rentieren derzeit mit etwa 2,5 Prozent.

Für Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums der Nationalbank, ist das grundsätzlich ein gutes Zeichen für die Schweizer Banken- und Hypothekarkreditszene. "Eine flache Zinskurve ist für Banken, die im Kredit- und Zinsdifferenzgeschäft tätig sind, ein ganz schlechter Umstand", sagt Zurbrügg im cash-Video-Interview im Anschluss an die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB am Donnerstag in Bern. Daher seien die steigenden Zinsen an den Kapitalmärkten eine Entlastung.

Risiken für Hypothekenschuldner

Aber auch für den Hypothekenmarkt, wo die Zinsen als Folge der steigenden Renditen am Kapitalmarkt ebenfalls steigen, sieht Zurbrügg grundsätzlich eine positive Entwicklung. Dies, obwohl höhere Kapitalsmarktzinsen auch höhere Zinsen für Hauskreditnehmer bedeuten. "Die Hypothekarzinsen werden steigen, bei zehnjährigen Hypotheken sieht man es bereits. Betrachtet man die Dynamik des Schweizer Immobilienmarkts, ist dies gut", so Zurbrügg.

Seit Jahren warnt die SNB die Banken vor einer zu laschen Vergabe von Hypothekarkrediten. Bei tiefen Zinsen werden Hypotheken für eine breitere Öffentlichkeit erschwinglich und verleiten Banken allenfalls dazu, durch eine massenhafte Vergabe von Krediten kurzfristig Profit zu generieren.

Lange Tiefzinsphasen dürfen nach Ansicht von Währungshüter Zurbrügg keine neue Normalität vorspiegeln. Zu tiefe Zinsen könnten den Druck auf den Immobilienmarkt gar erhöhen, sagt der Notenbanker. Aus Sicht der SNB ist ein schneller Anstieg der Kapitalmarkt-Zinsen nicht auszuschliessen. Stresstests hätten ergeben, dass die Risiken derzeit tragbar seien, vor allem dank der guten Kapitalausstattung der Banken. Die SNB fordert aber weiterhin mit Nachdruck, dass die Banken die lange Zinsentwicklung im Auge behalten.

Das Leitzinsniveau indessen behält die SNB bei -0,75 Prozent, wobei ein Libor-Zielband von 0,25 bis 1,25 Prozent angesteuert wird. Zu einer zeitlichen Dauer dieser Negativzinsphase äussert sich die SNB nicht. Die Währungshüter betonen aber, dass dieser "Strafzins" für Banken zusammen mit der Bereitschaft zu Deviseninterventionen das zentrale Mittel gegen die Aufwertung des Frankens darstelle.

SNB glaubt (noch) nicht an Bank-Runs

Eine Ausweitung der Negativzinsen auf -1 Prozent schliesst die SNB nicht aus, etwa dann, wenn die Eurozone sich im Zuge der italienischen Bankenkrise oder von Wahlen weiter destabilisiert. Könnte diese Ausweitung der Negativzinsen in der Schweiz zu einem Bank-Run führen, also einem massenweisen Abzug von Geldern durch Bankkunden?

Zurbrügg mahnt zur Ruhe: Kosten und Nutzen der Instrumente zur Stabilisierung des Frankenkurses würden immer wieder geprüft: "Mit -0,75 Prozent sind wir schon seit weit gegangen", sagt das SNB-Direktoriumsmitglied. Beim aktuellen Negativzinsniveau sei in der Schweiz keine deutliche Erhöhung von Bargeldhortung verzeichnet worden. Dies liege aber auch an den Freibeträgen, welche die SNB den Banken einräume. Dadurch hätten die meisten Banken die Negativzinsen noch nicht auf die Kunden abwälzen können. 

Von den Schweizer Banken verlangt bisher nur die Alternative Bank von den Kunden Negativzinsen auf breiter Front. Im November hat die Postfinance angekündigt, dass ab Vermögen von einer Million Franken ebenfalls der Strafzins von -0,75 Prozent gelten wird. Andere Banken scheuen vor dieser Massnahme (noch) zurück. Ändern würde sich dies vermutlich bei stärkeren Negativzinsen, etwa bei -1 oder -1,25 Prozent. Dann würde das massenhafte Abheben von Geld nicht mehr unwahrscheinlich, wie Daniel Kalt, UBS-Chefökonom Schweiz, vor etwa einen Monat sagte.

Im vergangenen April hat die Nationalbank die neuen 50-Franken-Noten herausgegeben. In einem nächsten Schritt plant die SNB die Lancierung der 20-Franken-Note im Mai und die Zehn-Franken-Note im Herbst. Im cash-Video-Interview sagt Fritz Zurbrügg, wie er die Resonanz auf die neuen Schweizer Geldscheine empfindet. Zurbrügg äussert sich ebenfalls zum Stand der Notfallplanung bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse.