SNB-Zurbrügg: «Suchen neue Anlagemärkte»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will ihre Devisenreserven weiter diversifizieren. Im cash-Video-Interview gibt SNB-Direktor Fritz Zurbrügg weitere Details der Anlagepolitik preis.
13.12.2012 14:45
Von Pascal Meisser, Bern
«Wir wollen möglichst breit abgesichert sein»: SNB-Direktor Fritz Zurbrügg.
Bild: cash

Die massive Zunahme der SNB-Devisenreserven in den letzten Monaten hat auch die Anforderungen an deren Bewirtschaftung deutlich erhöht: 425 Milliarden Franken muss das Anlageteam der Nationalbank derzeit an den Finanzmärkten platzieren. Damit soll das immer grösser gewordene Euro-Klumpenrisiko fortlaufend abgebaut werden. "Wir wollen möglichst breit abgesichert sein", sagt SNB-Direktor Fritz Zurbrügg im cash-Video-Interview. Zurbrügg wurde erst im August ins Direktorium gewählt und ist seither für die Anlagepolitik der Nationalbank verantwortlich. 

Dieser Bereich gehört zu einem der am meisten gehüteten Geheimnisse der Nationalbank. Dennoch kamen am Donnerstag am Rande der geldpolitischen Beurteilung der SNB in Bern weitere Einzelheiten ans Licht. So hat die Nationalbank entgegen bisheriger Annahmen durchaus Spielraum bei der Wahl geeigneter Aktien. "Indexnah investieren" nennt die SNB ihr Vorgehen. "Wir passen die standardisierten Indizes nach unseren Bedürfnissen an", präzisiert Zurbrügg. So kann die Nationalbank einzelne Indextitel ausschliessen, weil eine zu geringe Liquidität befürchtet wird oder weil man gewisse Sektoren wie beispielsweise Banken gar nicht kaufen möchte. 
 
Die fortschreitende Euro-Käufe gestalten auch die Währungsdiversifikation immer anspruchsvoller. "Wir prüfen ständig neue Anlageklassen und Währungen in entwickelten und aufstrebenden Ländern", sagt Zurbrügg. Damit wolle man die Risikokonzentration bei den Devisenanlagen verringern. Eine neue Währung hat die SNB im laufenden Jahr mit dem südkoreanischen Won bereits gefunden. Welche anderen Währungen die SNB für mögliche Anlagen evaluiert, wollte die Nationalbank nicht kommentieren. 
 
Bestehende Indizes nachgebaut
 
Bislang gab über die Anlagepolitik der SNB einzig ein auf ihrer Homepage öffentlich einsehbares Dokument Auskunft. In den "Richtlinien der SNB für die Anlagepolitik vom 20. November 2008" ist festgelegt, dass ein internes Anlagekomitee für die Umsetzung der vom Direktorium festgelegten Strategie zuständig ist. Wie cash Mitte Oktober publik machte, verwaltet unter der Leitung eines Anlagechefs ein Team von rund 20 Mitarbeitern die Gelder der Nationalbank. 
 
Dennoch sind im Laufe des Herbst erste Details zur SNB-Anlagepolitik  ans Licht gekommen. So sorgte die in Finnland herrschende Offenlegungspflicht der börsenkotierten Unternehmen dafür, dass einzelne Aktienpositionen der SNB bei finnischen Gesellschaften wie dem Handyhersteller Nokia bekannt wurden. Rund 50 Milliarden oder 12 Prozent der Devisenreserven lässt die SNB in die Aktienmärkte fliessen. Damals sagte die Nationalbank, dass kein Stockpicking betrieben würde, sondern  bestehende Aktienindizes gewissermassen nachbaue. 
 
Den grössten Teil der Devisenreserven, nämlich 83 Prozent, investiert die SNB weiterhin in so genannt sichere Staatsanleihen oder hält sie als Guthaben bei anderen Zentralbanken und der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). 5 Prozent entfallen auf andere festverzinsliche Wertpapiere wie Unternehmensanleihen. Beim Währungsmix überwiegt der Euro mit einem Anteil von 48 Prozent, gefolgt vom Dollar, auf den 28 Prozent entfallen. 
Im Video-Interview äussert sich Zurbrügg zu seinen ersten Monaten im SNB-Direktorium und sagt, worauf die SNB bei Anlagen in neuen Devisen achtet.