So profitieren Anleger von der Nikkei-Rally

Der japanische Aktienindex ist in nur fünf Monaten über 50 Prozent in die Höhe geklettert. Diese Rally dürfte noch einige Monate anhalten. Wie Anleger am besten in Japan investieren und was sie beachten müssen.
09.04.2013 06:10
Von Pascal Meisser
Japanische Anleger betrachten die steigenden Kurse.
Japanische Anleger betrachten die steigenden Kurse.
Bild: Bloomberg

Fast Tag für Tag klettert der Nikkei in die Höhe, und das seit mittlerweile seit fünf Monaten. Erst im letzten November hatte sich der Nikkei von der globalen Aktienrally mitreissen lassen. Für die Hausse nach oben sorgten damals Äusserungen im Wahlkampf. Der jetzige Ministerpräsident Shinzo Abe versprach einen energischen Kampf gegen die Deflation und für wirtschaftliches Wachstum. Seither hat der Nikkei die beste Performance aller weltweit wichtigen Aktienindizes erzielt.

Zusätzlichen Schub erhielten die japanischen Titel am vergangenen Donnerstag, als die Bank of Japan ihre Geldpolitik massiv lockerte. Der neue Notenbankchef Haruhiko Kuroda überraschte die Anleger mit der Ankündigung, die Bilanz der Bank of Japan mittels Wertpapierkäufen in den nächsten zwei Jahren deutlicher als erwartet auszuweiten.

Zwischen Mitte November 2012 und heute ist der japanische Leitindex von gut 8600 auf über 13‘000 Zähler geklettert – ein Plus von fast 50 Prozent. Im gleichen Zeitraum hat der Swiss Market Index (SMI) gerade mal 15 Prozent zugelegt. Selbst wenn man die Kursavancen seit letztem Sommer berücksichtigt, kommt der SMI "nur" auf 30 Prozent Kursgewinn.

Einstieg lohnt sich noch immer

Trotz der gewaltigen Rally lohnt sich für Anleger ein Einstieg in japanische Aktien noch immer. "Ich erwarte weiterhin einen positiven Markt", sagt Japan-Spezialist Ernst Glanzmann von Swiss & Global Asset Management. Seiner Meinung nach liegen beim Nikkei bis Ende Jahr durchaus noch 20 Prozent drin. Das entspräche einem Indexstand von fast 16‘000 Punkten. Letztmals notierte der japanische Index im Dezember 2007 auf solcher Höhe. 

Auch ZKB-Experte Beat Schumacher sieht mittelfristig einen positiven Markt. Er geht aber davon aus, dass sich das Klettertempo des Nikkei deutlich abflachen wird. "Die wichtigsten Impulse für den Aktienmarkt sind nun vorüber. Nun schauen die Märkte vor allem auf zwei Eckpunkte: Drehen die Inflationserwartungen allmählich nach oben? Und setzt die neue Führung nicht nur die neue Geldpolitik, sondern auch notwendige Reformen wie zum Beispiel bei der Liberalisierung des Arbeitsmarkts um?", sagt Schumacher.

Vor allem im Kampf gegen die jahrelange Deflation zeigen sich die Marktteilnehmer sehr zurückhaltend. Derzeit lässt sich aus dem japanischen Obligationenmarkt eine antizipierte Inflation von 1,2 Prozent herausrechnen. Das zeigt die Skepsis der Anleger darüber, ob japanische Unternehmen in der Lage sind, höhere Preise am Markt durchzusetzen.

Unternehmensgewinne werden weiter steigen

Diese Unsicherheiten lassen darauf schliessen, dass der Anstieg in den kommenden Monaten deutlich abgeflachter ablaufen wird. "Der einfachste Teil zum Geldverdienen in Japan liegt hinter uns", sagt Fondsmanager Ernst Glanzmann. Die Aktien seien von Anlegern falsch bewertet worden, weil sie die verbesserten Unternehmensdaten nicht im Blickfeld gehabt hätten. „Nun bewegen vor allem fundamentale Daten die Börsen“, so Glanzmann.

Diese sind derzeit vielversprechend. Alleine wegen des schwächelnden Yen ist die Erwartung an die Gewinnentwicklung der Unternehmen von 20 auf 50 Prozent gestiegen. Experten gehen sogar davon aus, dass eine weitere Revision nach oben bloss eine Frage der Zeit ist.

Für die nächsten Quartale rechnet Schumacher mit deutlich anziehenden Konsumausgaben. Im Frühling 2014 will Japan die Mehrwertsteuersätze erhöhen. "Das wird spätestens im vierten Quartal 2013 und Anfang 2014 den Konsum weiter ankurbeln, was sich auf die Gewinne auswirken wird", sagt Schumacher.

Yen-Abwertung setzt sich fort

Gleichzeitig gehen Devisenexperten davon aus, dass sich die Abschwächung des Yen in den kommenden zwölf Monaten sowohl gegenüber dem Dollar wie auch dem Franken weiter fortsetzen wird. Alleine seit Anfang Jahr hat sich die japanische Währung gegenüber dem Franken um über 10 Prozent abgeschwächt. Davon profitieren vor allem hochwertige Exporttitel wie die Autohersteller Toyota und Honda oder der Reifenhersteller Bridgestone.

Anleger sind allerdings gut beraten, nicht auf Einzeltitel zu setzen. Hier lauert die Gefahr, dass Aktiengewinne infolge Währungsverluste wieder zunichte gemacht werden. Deutlich besser fahren Investoren mit Zertifikaten auf japanische Exportaktien, die in Franken gehedged sind. Allerdings ist die Auswahl geeigneter Instrumente für Schweizer Anleger sehr klein.

 

Ausgewählte ETF und Zertifikate auf japanische Aktien

Name Valor Währung Kurs Laufzeit Perf. 1 Jahr
JB Japan Export Basket 12423058 CHF 115,50 31.01.2014 +28,3%
CLEU Japanese Shares Basket 12615415 CHF 98,60 24.03.2014 +9,4%
Credit Suisse Nikkei 225 ETF 10737065 GBP 77,43 open end +37,4%
ComStage Nikkei 225 4561428 CHF 13,01 open end +18,2%

Quelle: cash.ch, 9. April 2013.