Sorge vor Gewalt dominiert in Deutschland

Sorgen vor Gewalt, Anschlägen und der Zuwanderung von immer mehr Flüchtlingen beherrschen einer Studie zufolge die Stimmungslage in Deutschland.
03.09.2016 13:45
In Deutschland schlagen sich Politik - hier der Reichstag in Berlin - und Bevölkerung mit Ängsten herum.
In Deutschland schlagen sich Politik - hier der Reichstag in Berlin - und Bevölkerung mit Ängsten herum.
Bild: Pixabay

Erst danach rangieren Befürchtungen vor unsicheren Renten oder steigenden Belastungen durch Steuern und Abgaben. Dies geht aus einer Analyse der Meinungsforscherin Renate Köcher für die SPD hervor, die Reuters vorliegt. Dem von Köcher am Donnerstag vor der SPD-Bundestagsfraktion vorgestellten Papier zufolge gab es einen "Hoffnungseinbruch trotz positiver Wirtschaftsdaten": Im August hätten nur noch 36 Prozent der Befragten dem kommenden Jahr mit Hoffnungen entgegengesehen statt 56 Prozent vor Flüchtlingswelle und Terroranschlägen.

Die derzeitige Flüchtlingssituation macht den Menschen der Studie zufolge derzeit zwar deutlich geringere Sorgen als im Herbst vorigen Jahres. Im Juni 2016 hätten 32 Prozent "grosse Sorge" geäussert, nach 53 Prozent im Oktober 2015. In dem Vortrag ist aber festgehalten: "Die Mehrheit ist überzeugt, dass sich die Situation nur vorübergehend entspannt hat."

Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Politik gering. 29 Prozent der Befragten gaben an, dass keine Partei die besten Ideen für den Umgang mit der Flüchtlingssituation habe. 13 Prozent schrieben der CDU das beste Konzept zu und neun Prozent der rechtspopulistischen AfD. Danach folgten CSU (8 Prozent), SPD (6), Linke (4), Grüne (4) und FDP (1).

Deutsche wollen mehr Polizei und Kameras

In der Bevölkerung gibt es demnach eine breite Unterstützung für mehr Polizisten (92 Prozent) und die Überwachung öffentlicher Plätze mit Videokameras (90 Prozent). Nur 27 Prozent geben an, dass die SPD für "Sicherheit, Bekämpfung der Kriminalität" steht. Der Umfrage zufolge werden die Sozialdemokraten vor allem mit Mindestlöhnen (68 Prozent), sozialer Gerechtigkeit (57 Prozent) und der Gleichberechtigung von Frauen (54 Prozent) verbunden.

Dem Vortrag zufolge gaben 82 Prozent der Befragten an, sie hätten die Sorge, dass Gewalt und Kriminalität zunehmen. 74 Prozent befürchten, es könnte in Deutschland zu einem Terroranschlag kommen. Auf Platz drei der Sorgenskala rangierte mit 73 Prozent die Aussage, es könnten immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Auch die Sorge vor einem militärischen Konflikt ist mit 67 Prozent hoch. Erst danach kommen Befürchtungen, dass die Renten nicht sicher seien (59 Prozent) und dass Steuern und Abgaben steigen könnten (55 Prozent).

(Reuters)