Sozialversicherungen schliessen 2015 deutlich schlechter ab

Die Ausgaben der Sozialversicherungen der Schweiz sind 2015 deutlich stärker gewachsen als die Einnahmen. Mit 20,7% erreichte der Anteil der Sozialleistungen am Bruttoinlandprodukt einen neuen Höchststand.
30.11.2017 17:23

Das finanzielle Ergebnis der Sozialversicherung hat sich 2015 deutlich verschlechtert, wie aus der am Dienstag vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) veröffentlichten Gesamtrechnung hervorgeht. Mit 16,8 Mrd schloss es um beinahe ein Fünftel tiefer ab als im Vorjahr.

Die Einnahmen stiegen um 0,4% auf 174,4 Mrd CHF, die Ausgaben um 3,2% auf 157,6 Mrd - eine Entwicklung, die gemäss BSV längerfristig das finanzielle Gleichgewicht der Sozialversicherungen gefährden würde.

Mit 882,5 Mrd CHF lag das zusammengefasste Finanzkapital der Sozialversicherungen 2015 erstmals über der Grenze von 880 Mrd. Aufgrund von Kapitalwertverlusten von 5,6 Mrd war der Anstieg mit 1,3% aber gering.

Die berufliche Vorsorge, der grösste Sozialversicherungszweig, schloss mit einem Plus von 14,8 Mrd (-17,2%) bei einem Kapital von 779 Mrd CHF. Die AHV erzielte im Rechnungsjahr 2015 ein Ergebnis von 167 Millionen (-64,1%). Ihr Kapital betrug 44,2 Mrd.

Für die AHV sind auch schon die Ergebnisse für das vergangene Jahr bekannt. Demnach übertrafen 2016 die Ausgaben mit 42,2 Mrd CHF erstmals seit 1999 die Einnahmen, und zwar um 0,1 Mrd. Dank Kapitalwertgewinnen erhöhte sich das AHV-Kapital um 0,4 Mrd auf 44,7 Mrd CHF.

SOZIALLEISTUNGEN WACHSEN UM 3,4%

Die Invalidenversicherung, die 2012 erstmals schwarze Zahlen schrieb, verbuchte 2015 einen Überschuss von 707 Millionen. Auch 2016 resultierte ein positives Ergebnis, so dass die Schulden der IV gegenüber der AHV per Ende 2016 auf 11,4 Mrd CHF abgebaut werden konnten. Die Krankenversicherung erzielte 2015 mit einem Minus von 563 Millionen CHF als einziger Zweig ein Defizit.

Weil die Sozialleistungen mit 3,4% deutlich stärker wuchsen als das Bruttoinlandprodukt (+0,6), stieg die Sozialleistungsquote gegenüber 2014 von 20,1 auf 20,7%. Die Quote gibt an, welchen Teil der Wirtschaftsleistung die Sozialleistungsempfänger beanspruchen. Der bisherige Höchststand hatte 2004 bei 20,4% gelegen.

(AWP)